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Verhalten der englischen und der unter englischem Oberbefehl stehenden französischen Truppen gegen die weiße Bevölkerung der deutschen Schutzgebiete Kamerun und Togo / Reichs-Kolonialamt
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Anlage 15.

Auszugsweise Abschrift zu IV. 1799. 15.

Amtsgericht Calw.

Anwesend: Amtsrichter Irion, Protokollführer Walz.

Den 20. März 1915.

Auf Ladung ist erschienen Pauline Stahl, Missionarsehefrau.

Dieselbe wird nach Hinweis auf die Bedeutung des Zeugeneides und eindring­liche Mahnung zur Wahrheitsangabe gemäß tztz 61, 62 St. P. O. beeidigt und hierauf, wie folgt, vernommen.

Zur Person: Pauline Stahl', geb Erhardt, z. Z. in Calw, Untere Markt- straße 88, geboren 9. Februar 1880 in Calw, verheiratet.

Zur Sache: Ich bin im Juli 1914 zum dritten Male mit meinem Mann, Heinrich Stahl, der Basier Missionar ist, ohne meine Kinder nach Afrika ausgereist. Wir kamen am 31. Juli 1914 in Duala an.

Am Montag, den 28. September, begegneten wir unterwegs einem englischen Sanitätsoffizier, der in Begleitung des Oberstabsarztes Dr. Waldow war. Mein Mann, der englisch spricht, fragte den Engländer, wie sich die Sache mit uns verhalte, worauf dieser, was ich selbst verstand, antwortete, wir dürfen nur unsern Namen angeben, dann dürfen wir wieder nach Hause gehen. Etwa um 4 Uhr nachmittags kamen wir in den Hospitalhof, dessen Ausgang von schwarzen Soldaten mit aufgepflanztem Bajonett bewacht war. Im Hospitalhof standen schon einige hundert deutsche Männer und Frauen zum Abmarsch bereit.

Ich hatte nur ein ganz kleines Handtäschchen, wie man es zum Ausgehen in die Stadt benutzt, und mein Mann seinen Spazierstock bei sich. Ein französischer Oberst hatte das Kommando und an diesen wandle sich mein Mann mit der Bitte, uns da­zulassen, da wir von den übrigen im Hof versammelten Deutschen erfahren hatten, daß wir nicht mehr nach Haus dürfen. Der Oberst packte aber meinen Mann an der Schulter und schob ihn zu dem großen Haufen der übrigen gefangen gehaltenen Personen.

Schon etwa eine Viertelstunde, nachdem wir angekommen waren, wurde mein Mann mit den übrigen Deutschen abgeführt, ohne daß ich wußte, wo er hinkam. Im Hof blieb ich dann mit den Firmenvertretern allein zurück. Da ich von den Herren hörte, daß ihre Frauen in der Missionshandlung beisammen seien, bat ich 4- oder 5 mal, man möchte mich auch dorthin lassen, was aber zunächst von dem englischen Offizier, an den sich ein englisch sprechender Herr für mich gewandt hatte, abgeschlagen wurde. Als aber eine deutsche Frau in den Hof kam, um ihren Mann zu suchen, der aber schon fort war (man hatte dieser Frau auch gesagt, ihr Mann komme in einer Stunde wieder zurück, er dürfe nur seinen Namen angeben, es sei nicht nötig, daß sie mitgehe), wurde mir gestattet, mit dieser Frau in die Missionshandlung zu gehen. Dorthin wurden wir von einem schwarzen Soldaten mit aufgepflanztem Bajonett geführt.

Wir wurden später von einem englischen Soldaten wieder abgeholt und ins Hospital gebracht, wo wir 1 '/s Tage blieben. Es wurde uns am Dienstag, 29. Sep- tember, als wir morgens von einem englischen Soldaten dorthin geführt wurden, die