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Anlage 11.
Au?z»asweise Abitbrift zu V. IV. 1182. 15.
Königliches Amtsgericht Geislingen-Steig. Anwesend:
Oberamtsrichter Göz als Richter,
Notariatspraktikant Rausch als Gerichtsschreiber.
Geschehen am 26. März 1915.
Es ist Termin zur Vernehmung der Zeugin Fräulein Anna Hetzt er auf heute bestimmt worden. Dieselbe ist ladungsgemäß erschienen und wird wie folgt ver- nommen:
Zur Person: Anna Hetzt er, Geislingen a. d. Steige, Laufenstraße 5, Württemberg, geb. 19. November 1889 in Stuttgart. In Duala, Kamerun, Ende 1913 als Krankenpflegerin.
Zur Sache: ... Der Soldat sagte, ich solle schnell machen mit dem Packen meiner Sachen/ ich habe dann ebensoviel Wäsche und Kleider eingepackt als in meinen Kabinenkoffer ging. Ich hatte etwa ^ Stunde Zeit zum Packen. Am Vormittag desselben Tages waren aus dem Orte Bona Sama Beamte und Kaufleute und speziell aus dem Misstonshaus in Vonaberi, aus dem ich geholt wurde, 2 Missionare abgeholt worden. Ich selbst habe es zwar nicht gesehen, aber die Herren sagten mir nachher, daß die Schwarzen ein Kanu und eine Kiste mit Schuhwaren, die sie aufgebrochen hätten, von der Missionsstation weggenommen hätten.
In Bona Sama kam ich in ein Wohnhaus, entweder der Woermann-Gesellschaft oder der Deutsch Westafrikanischen Handelsgesellschaft gehörig Dort waren die 2 Missionare, die morgens geholt worden waren, und noch 7 andere Kaufleute und Beamte. Um das Haus herum standen 4 schwarze Soldaten mit aufgepflanztem Bajonett, wir durften nicht zum Haus hinaus. Um unsere Beköstigung bekümmerte sich am 1. und 2. Tage niemand. Es kamen wohl an diesen Tagen ab und zu englische Offiziere und sahen nach uns und schrieben mehrmals unsere Namen und unsern Beruf auf.
Um 4 Uhr nachmittags, als alle gerüstet waren, wurden wir mit etwa 100 schwarzen Soldaten auf einem Boot an die Regierungsbrücke nach Duala gebracht. Dort wurden die schwarzen Soldaten ausgeladen, wir anderen mußten dableiben. Um 7^2 Uhr abends etwa kam ein Soldat und sagte, ich komme jetzt auf die Basler Mission, ich war nämlich die einzige weibliche Person.
Es wurde dann angeordnet, daß ich in das Regierungshospital zu verbringen sei. Dort waren im oberen Stock in einigen Krankenzimmern und auf der Veranda 240 Menschen, Männer und Frauen und 2 Kinder, ganz eng aufeinander untergebracht, man konnte nicht einmal mehr hin und her gehen', es waren nämlich auch viele Kisten und Koffer von den einzelnen mitgebracht worden. Betten waren keine mehr da, weil die Deutschen diese vorher in die Note-Kreuz-Station von Bonabela gebracht hatten. Man legte sich eben zum Nachtschlaf dann auf den Boden, einige hatten Teppiche bei sich, einige benutzten auch die noch vorhandenen Tragbahren als. Lagerstatt.