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Verhalten der englischen und der unter englischem Oberbefehl stehenden französischen Truppen gegen die weiße Bevölkerung der deutschen Schutzgebiete Kamerun und Togo / Reichs-Kolonialamt
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Ausmgsweise Abschrift zu IV. 169. 15.

Anlage 8.

Knegsministerium.

Militäruntersuchungsstelle für Verletzungen Berlin, den 13. ^NNUar 1915.

des Kriegsrechts.

Gegenwärtig:

Amtsgerichtsrat Dr. Linde als Richter,

Kalkulator Scholz

als Gerichtsschreiber.

Es erschien Herr 1)r. xliil. Gotthilf Vöhringer, Direktor der Württembergischen Kamerun-Gesellschaft, und erklärte:

Zur Person: Ich heiße Gotthilf Vöhringer, bin 34 Jahre alt, evangelischer Religion.

Zur Sache: Nach der Übergabe von Duala am 27. September wurde ich von schwarzen Soldaten ohne weiße Führung verhaftet und unter Bedrohung mit dem Bajonett gezwungen, ohne von meinen Sachen etwas mitnehmen zu können als 2 Hemden, den Soldaten sofort zu folgen. Ich wurde eine Nacht im Bahnhof eingesperrt und darauf 1 ^2 Tage mit etwa 150 Damen und Herren im oberen Stockwerk des Hospitals interniert. Da wir diesen Raum nicht verlassen durften und trotz vieler Bitten nicht für Wegbringung der Fäkalien gesorgt wurde, wurde dieser Aufent­halt fast unerträglich. Wir wurden auf den Dampfer »Latlrurst« gebracht, wo die Damen in Kabinen untergebracht wurden und die Herren sich auf dem Deck nieder- legen mußten (30. September). In der Nacht um 11^4 Uhr wurden wir geweckt, auf einen Haufen zusammengetrieben und von einigen Leuten, auf deren Hut­band der Name des Kriegsschiffes »(LallenZ-er« stand, bis auf den Körper nach Geld untersucht. Alle Beträge über 100 Mark wurden uns abgenommen. Trotz Verlangens wurde keine Quittung gegeben. Daraufhin wurden auch die Damen aus dem Schlafe geklopft, ihre Sachen untersucht und ebenso verfahren. Da ein Offizier, etwa in Hauptmannsrang, unseren Transport befehligte und außerdem der Kapitän an Bord war, kann es sich nicht um die Tat von untergeordneten Organen handeln. Am nächsten Morgen 1. Oktober kamen wiederum Engländer in Uniform an Bord und wollten uns ebenfalls nach Geld untersuchen. Als ihnen bei der ersten Untersuchung von einer Dame gesagt wurde, daß wir in der Nacht schon unseres Geldes beraubt worden seien, stellten sie unter Kopfschütteln die Untersuchung ein. Während der Fahrt nach Lagos mußten wir bitteren Hunger leiden.

Einer meiner Angestellten, Platzmeister Schm., wurde, wie nicht nur er selbst, sondern auch eine Anzahl von Deutschen aus Bonaberi bezeugten, in Bonaberi im Beisein von englischen Offizieren seines Rocks, seiner Ringe, seiner Uhr, seines Taschenmessers und seines Geldes beraubt und mit kleinen Steinen geworfen und mit Eisen- stäben geschlagen, und zwar von englischen schwarzen Soldaten und Dualaeingeborenen.

Wir wurden zu diesem Zweck auf den Frachtdampfer »Oduasi« gebracht. Hier bekamen wenigstens die allermeisten im obersten Laderaum eine Koje, in der sie schlafen konnten. Der Raum war so beschränkt, daß wir uns unten bei schlechter See oder

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