Anlage 7.
82
Auszugsweise Abschrift zu IV. 581. 15.
Königliches Amtsgericht.
Gegenwärtig:
Gerichtsasscssor Lösch Horn als Richter,
I. A. Haverland ^
als Gerichtsschreiber.
Neuruppin, den lll. Februar 1915.
Es erschien der Missionar Franz Riechert zu Neuruppill, 39 Jahre alt, evan- gelischer Religion, und erklärte:
1. Nach der Übergabe Dualas am 27. September 1914 wurden am Tage darauf schwarze Soldaten von den Engländern ausgesandt mit der Weisung, sämtliche Europäer gefangenzunehmen. Es wurden an diesem Tage etwa 200 Europäer gefangengenommen und wurden abends aus ein Transportschiff gebracht. Dieses fuhr nach Cotonou. Viele von diesen Herren konnten nichts mitnehmen, weil sie zum Teil auf der Straße gefangengenommen wurden. Am nächsten Tage kamen schwarze Soldaten und ein Franzose aus unsere Station und sagten uns, daß wir zum Hospital kommen müßten, um dort unsere Namen anzugeben, wir würden dann wieder frei sein. Dort angekommen, erklärte man uns, daß wir kriegsgefangen seien. Unsere schwarzen Jungen, die wir schickteil, um uns einige Sachen und Eßwaren zu holen, wurden von schwarzen Soldaten mit dem Gewehrkolben weggetrieben. Zu essen bekamen wir nichts. Die Nacht verbrachten wir in einer offenen Veranda zum Teil auf Stühlen zum Teil auf Tragbahren. Decken halten wir nicht und bekamen auch keine. Am nächsten Tag gegen Mittag wurden wir auf einen kleinen Kohlendampfer »UntUrli-st« gebracht. Auf dem Dampfer fehlte jede Bequemlichkeit. Wir mußten all Deck schlafen oder in dem Kohlenraum. Decken hatten wir nicht. Die Frauen wurden in Kabinen gebracht, um 12 Uhr nachts kamen 2 englische Offiziere voul Kriegsschiff mit Revolvern und. mit Soldaten mit aufgepflanztem Seitengewehr, wir mußten alle an Bord kommen und wurden daraufhin untersucht, ob wir Geld bei uns hatten. Es wurde uns gesagt, daß keiner mehr haben dürfe als 5 L (100 Mark). Den Männern, die auch Geld für ihre Frauen hatten, wurde auch dieses abgenommen. Quittungen bekamen wir nicht/ es wurde uns gesagt, daß wir das Geld in dem Hafen, wo wir aussteigen würden, zurückerhalten würden. Wir berechneten nachher, daß uns über 4000 Mark abgenommen feien.
Am nächsten Tage kamen wieder Offiziere und verlangten Geld von uns, und als wir ihnen erklärten, man habe uns schon alles abgenommen, sagten diese, daß die gestrigen Offiziere dazu nicht berechtigt gewesen seien. Wir fuhren dann zunächst bis Lagos. Unterwegs bekamen wir 2 Tage lang gar nichts zu essen. Am dritten Tage bekamen wir je ein Stück Schiffszwieback und einen geräucherten Salzhering. Am Abend wurden Nationen verteilt, doch erhielten manche ungenießbare Sachen, so bekam einer ein Glas Pfeffer, eine Dame ein Stück Seife.
2. Am 7. Dezember 1914 wurden wir auf den Dampfer geladen, um
nach England gebracht zu werden. Es befanden sich ungefähr 400 bis 500 Personen an Bord. Ich befand mich mit 53 anderen Personen im Speisesaal 2. Klaffe. Die Ltervarcks benahmen sich sehr herausfordernd, nannten uns öfter »Deutsche Schweine«. Als ein Herr einmal bei hohem Seegang gegen einen Tisch stieß, gaben sie ihm einen Stoß, so daß er über die Koffer siel.
Der Zeuge wurde beeidigt.
gez. Franz Niechert.
gez. Löschhorn. gez. Haverland.