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Verhalten der englischen und der unter englischem Oberbefehl stehenden französischen Truppen gegen die weiße Bevölkerung der deutschen Schutzgebiete Kamerun und Togo / Reichs-Kolonialamt
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Anlage 5.

Auszugsweise Abschrift zu IV. 1^31. 15.

Königliches Amtsgericht.

Gegenwärtig: Barth, den 16. April 1915.

Geheimer Iustizrat Schmidt als Richter,

Aktuar Hahn

als Gerichtsschreiber.

Es erschien die Ehefrau des Maschinisten Gustav Weber, Martha, geb. Witzig, z. Zt. in Fingst, und erklärte als Zeugin:

Ich bin verheiratet mit dem Maschinisten am Wasserwerk in Duala Gustav Weber. Aus unserer Ehe ist ein am 27. Dezember 1914 geborenes Kind vorhanden.

Am Sonntag, dem 25. September 1914 fand die Übergabe der Stadt Duala statt, und am nächsten Tage gerieten mein Mann und ich in Kriegsgefangenschaft, ohne daß uns Gelegenheit gegeben wurde, irgend etwas an Geld und Gut mitzunehmen. Wir kamen zuerst nach Lagos, dann nach Ibadan, dann wieder nach Lagos an Bord und darauf nach Freetown. Auf der Reise von Ibadan nach Lagos, welche von morgens gegen 8 Uhr bis gegen Abend dauerte, haben wir nichts zu essen und zu trinken erhalten.

Auf dein Dampfer, welcher sich »Okuusi« nannte und welcher uns von Lagos nach Freetown brachte, war die Verpflegung schlecht und sehr knapp, so daß wir oft junger und Durst litten, namentlich war das Trinkwasser sehr knapp.

Auf dem Barredampfer in Duala, welcher sonst zum Transport von Schwarzen diente und welcher uns zu- dem Dampfer »Llmiim« brachte, war die Verpflegung mangelhaft und schlecht. Der Barredampfer war sehr schmutzig.

Im Krankenhaus in Lagos und Freetown mußte ich zusammen mit schwarzen Frauen im selben Raume verweilen, und zwar in Lagos einen Nachmittag, in Freetown drei Tage und drei Nächte.

Am Tage meiner Gefangennahme in Duala kam ein englischer weißer Soldat nach dem Wasserwerk, wo ich mich befand, und machte sich dort Notizen und wurde mir gegenüber in Gegenwart der Frau Waffenmeister Baer zudringlich, indem er mich mit einer Öand um die Düfte faßte, als wollte er mich umarmen.

Ich befand mich auf dem Dampfer vObrmsi«, namentlich infolge meiner hohen Schwangerschaft, sehr schlecht. Als wir vor Lagos lagen, bat ich den Schiffsarzt, eine Schwester kommen zu lassen, um mied vor der Abreise nach England zu untersuchen. Ich sagte dem Arzt, daß ich früher einmal eine Fehlgeburt gehabt hätte. Der Arzt fragte mich, wann ich meine Niederkunft erwartete. Auf meine Erwiderung - Anfang Dezember« wandte er sich lächelnd ab, ohne mich weiter zu beachten. Erst nach einigen Tagen, als ich immer kränker wurde, hat er mich auf Bitten einer deutschen Dame, einer Frau vn. Diz:, behandelt.