Teil eines Werkes 
Bd. 4 (1901) Die Kolonialpolitik Frankreichs : von den Anfängen bis zur Gegenwart / von Alfred Zimmermann
Entstehung
Seite
220
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Die Kämpfe um ein neues Kolonialreich.

Erstes Kapitel.

Lhoiseuls Rolonialversuche in Guyane.

den niederschmetternden Eindruck der Niederlagen des Siebenjährigen Krieges und des Verlustes der wichtigsten Kolonien in Frankreich abzuschwächen, und nach dem Friedensschluß die über­flüssigen Soldaten zu versorgen, kam Minister Duc de Choiseul^) auf den Gedanken, die Besiedelung des französischen Guyane nach­drücklicher als bisher zu fördern.

Diese Kolonie hatte bis dahin nur eine sehr bescheidene Rolle gespielt.^) Man zählte 1763 in ihr 200 weiße Bewohner, 1000 civilisirte Indianer und 5500 Sklaven. Sie erzeugte den als Färbemittel beliebten Orlean, Kakao, Baumwolle und Rohr-

Choiseul besaß, als er 176t das Marinedepartement, von dem die Kolonien ressortirten, an Stelle des Auswärtigen übernahm, keine Kenntniß der kolonialen Sachen. Um sich einzuarbeiten, ließ er sich von allen möglichen Sachverständigen Denkschriften erstatten und zog Nachrichten über das Ausland ein. Seine Hauptrathgeber waren zwei Beamte, Rodier und Petit, sowie ein Seeoffizier Truguet. 1766 übergab er die Marine seinem Vetter Duc de Präs lin und wurde wieder auswärtiger Minister. In: Conseil du Commerce, das in den kolonialen Sachen ausschlaggebend war, behielt er aber die maßgebende Stimme. Unter den: Einfluß der schlechten Erfahrungen mit den großen Kom­pagnien und der Schriftsteller, wie Montesquieu und Veron de Forbonnais, welche als einzigen Zweck der Kolonien Bereicherung des Mutterlandes ohne Rücksicht auf die Kolonisten ansahen, faßte er von vornherein die Kolonisation von Staats wegen ins Auge.

Von 1744 bis 1756 waren nur fünf Sklavenschiffe nach Guyane ge­kommen.