Teil eines Werkes 
Bd. 4 (1901) Die Kolonialpolitik Frankreichs : von den Anfängen bis zur Gegenwart / von Alfred Zimmermann
Entstehung
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Fünftes Kapitel.

Die Senegal-Aolonie.

Als Brue im April 1714 die Vertretung der Senegal-Kom­pagnie wieder übernahm, fand er die Lage in St. Louis wesentlich ungünstiger als früher. Die Stellung der Engländer am Gambia war jetzt gefestigter wie je. Wohl oder übel mußte mit ihnen ge­rechnet werden. Dazu hatte die brandenburgische Kolonie auf Arguin ihre Thätigkeit weiter ausgedehnt und überbot oft die Fran­zosen beim Einkauf einheimischer Erzeugnisse. Brue nahm jedoch ohne Rücksicht auf diese Hindernisse seine Thätigkeit in derselben Weise wie früher auf, suchte möglichst viel werthvolle einheimische Erzeugnisse einzukaufen und die Goldfelder im Innern zu erschließen. Er trat mit den einheimischen Händlern persönlich in Verbindung und suchte besonders die Gummigewinnung in die Hand der Fran­zosen zu bringen. In Galam errichtete er zwei befestigte Faktoreien, welche der Festsetzung im Goldlande Bambuk als Stützpunkte dienen sollten, und ließ letzteres eingehend erforschen. Um des Wettbewerbs der Brandenburger ledig zu werden, erhob er wiederholte Vor­stellungen Leim französischen Hose. Diese Schritte, welche zu Be­schwerden der französischen Regierung in Berlin Veranlassung gaben, trugen dazu bei, dem König Friedrich Wilhelm I. den afrikanischen Besitz noch weiter zu verleiden.

Während Brue mit Erforschung der Kolonie und Anknüpfung von Handelsbeziehungen beschäftigt war, verkaufte seine Gesellschaft ihren Besitz im Dezember 1718 für 1 600 000 Livres an die Lawsche Compagnie d'Oceident. Die letztere setzte sich sogleich mit Brue in Verbindung und versicherte sich seiner weiteren Dienste. Der nach Verdienst geschätzte und behandelte Mann erhielt Vollmachten und Mittel, um die Kolonisation des Senegal-Gebietes noch nachdrücklicher als bisher zu betreiben. Der Handel wurde ausgedehnt, der Bau von Forts im Innern fortgesetzt und wiederholt der Versuch gemacht, das Niger-Thal vom Senegal aus zu erreichen. Erst im Sommer 1720 kehrte Brue nach Frankreich zurück. Er behielt auch dort die Leimng der Geschäfte in der Hand und wählte die Persönlichkeiten für den Gouverneurposten aus. Wohl unter dem Eindruck seiner mündlichen Darlegungen entschloß sich die Gesellschaft 1721, gegen