Kritter Theil.
Uerfaü und Werkust des ersten Kolonialreiches
Erstes Kapitel.
Jean Laws Gründungen.
auch der Besitz, welcher Frankreich nach den beim Utrechter Frieden gebrachten Opfern in Amerika verblieb, noch ein ungeheurer war, so kam den leitenden Kreisen doch die Schwäche und Unhaltbarkeit des französischen Kolonialreichs damals lebhaft zu Bewußtsein. Welche Vortheile hatte denn die lange angestrengte Arbeit Richelieus, Colberts^) und ihrer Nachfolger bis dahin gebracht? Wie hatten sich die ungeheuren Opfer an Geld und Menschen bezahlt? Das ungeheure Gebiet Cauadas^) war von wenigen Tausend Franzosen bevölkert, die einem ernsten und richtig geleiteten Angriff der Engländer, welche sie im Norden und Osten vorn Meer abschnitten, in keiner Weise gewachsen waren. Mineralschätze waren nicht entdeckt worden. Der einzige Reichthum des
*) Colberts Bemühungen hat Frankreich die Ausdehnung seines Kolonialbesitzes in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts vor Allem zu danken. So epochemachend, wie vielfach angenommen wird, ist aber seine Thätigkeit auf diesem Gebiete nicht gewesen. Wie unsere Darlegungen ergeben, hat er in: Wesentlichen nur Richelieus Politik fortgesetzt. Die wirtschaftlichen Gesichtspunkte, nach denen er gehandelt hat, sind nicht Colberts Erfindung, sondern entsprechen ganz den Ansichten jener Zeit. Die Anklagen, welche Boisguillebert, Choisi), Fenslon und Vauban gegen Colbert gerichtet haben, sind daher ungerecht. Seine Absichten waren die besten, wenn er auch nur die Theorien seiner Zeit anwandte. Was sie durchkreuzte, war vor Allem der geringe kolonisatorische Geist der Nation.
**) 1688 gab es hier 11249 Weiße. 1721: 25 000.