Die Insel Bourbon.
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St. Malo ab'2), welche dafür jährlich bestimmte Zahlungen von ihren Geschäftsumsätzen an die Kompagnie leisten sollten. Die Gläubiger in Indien, besonders in Surate, blieben unbefriedigt.
Martin hat diesen Zusammenbrach nicht mehr erlebt. Er starb 1706 auf seinem Posten als Generalgouverneur in Pondichery, nachdem er noch vorher mit den Holländern gegenseitige Neutralität während des Kriegs vereinbart hatte. Seine Nachfolger schlugen sich dort durch, so gut es ging, der Handel der Kolonie lag inzwischen völlig danieder. Nicht allein die Unsicherheit der Meere während des Kriegs, sondern auch gelegentliche Beschlagnahme ihrer Schiffe durch die Gläubiger der Kompagnie in Indien hielten die Kaufleute St. Malos von größeren Unternehmungen ab. Der Handel Pondicherys richtete sich mit der Zeit hauptsächlich nach Madras. Die Faktoreien in Chandernagor, Mazulipatam und Calicut vegetirten nur noch.
Die blühendste Besitzung der Kompagnie war damals die Insel Bourbon, wo der Zuckerrohrbau große Fortschritte machte und die Bevölkerung ständig wuchs. 1690 zählte man 400 Bewohner, davon die Hälfte Weiße; im Jahre 1700: 600. Doch kümmerte mau sich in Paris damals wenig um die Insel und überließ sie die meiste Zeit sich selbst, so daß französische Hngne- notten 1690 die Absicht faßten, sich des Lands zu bemächtigen. Erst 1701 hatte man etwas eingehender mit Bourbon sich zu beschäftigen begonnen. 1711 war ein Conseil provincial für Verwaltung und Rechtspflege errichtet worden. 1714 begann der Kaffeebau auf der Insel, und 1723 hatte der Plantageubau schon einen solchen Umfang erreicht, daß der Code noir eingeführt wurde. 1717 schätzte man die Bevölkerung auf 2000 Köpfe, von denen 900 Weiße waren.
Fünftes Kapitel.
Frankreich in westafrika.
Die französischen Niederlassungen in Westafrika haben nach Richelieus Tod lange ein wenig erfolgreiches, aber ruhiges Dasein geführt. Die hauptsächlich daran betheiligten Kaufleute von Dieppe
*) Das 1714 ablaufende Privileg war um 10 Jahre verlängert morden.