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Utrechter Friede.
führen und die Ansiedelung von Weißen unterstützen. Trotz der Hoffnungen der Gründer hatte das Unternehmen so wenig Erfolg wie die früheren ähnlichen. Als der Krieg 1702 aufs Neue ausbrach, war daher die französische Niederlassung St. Domingue noch immer sehr schwach, wenngleich die weite Entfernung der einzelnen Niederlassungen 1701 hier zur Errichtung eines zweiten Conseil souverain^) Veranlassung gegeben hatte.
Der neue Krieg wurde durch die Vertreibung der Franzosen aus St. Christophe durch die Engländer 1702 eingeleitet. Ein Angriff derselben auf St. Domingue konnte abgeschlagen werden, aber Guadeloupe kam 1703 durch ein englisches Landungskorps in schwerste Bedrängniß, und Marie-Galante ging wieder den Franzosen verloren. Zum Glück für sie nahmen die Kämpfe in Europa die Engländer so stark in Anspruch, daß sie keine Flotten für Westindien übrig hatten. Es kam daher in den nächsten Jahren hier zu keinen größeren Unternehmungen. Man beschränkte sich auf Kaperei und Seeraub. Die französischen Kolonien geriethen trotzdem gelegentlich in Noth, und die Regierung sah sich genöthigt, den Handel mit Ausländern freizugeben. Der einzige Erfolg der Franzosen während dieser Kämpfe war die Besetzung von Montserrat, Tabago und St. Eustache. Der Utrechter Friede von 1713 sprach ganz St. Christophe für die Zukunft England zu. Frankreich wurde dafür durch Tabago entschädigt.
Viertes Kapitel.
Frankreich in Indien und Madagaskar.
Die Compagnie d'Orient, welche unterm 29. Januar 1642 ihr Privileg erhalten hatte, befand sich, als Richelieu starb, im Anfange ihrer Thätigkeit. Sie hatte im März das erste Schiff nach Madagaskar abgesandt. Ihr darauf befindlicher Vertreter, ein Kaufmann Pronis, dem zwei andere Kaufleute und zwölf Kolonisten beigegeben waren, besaß den Auftrag, die Insel zu erforschen, eine Niederlassung zu gründen und zunächst möglichst viel Häute und
*) Auch in Cayenne wurde 1701 ein Conseil souvernin errichtet.