XII.
Vom Viktoriasee zur Heimat.
Nach cwigcn eh'rnen, Grossen Gesetzen Mnssen wir alle Unseres Daseins Kreise vollenden. (Goethe.)
Die Station Nyagesi war auf Veranlassung Mons. Lourdels insbesondere für die nach Usukuma geflüchtet^ Waganda angelegt worden. Sie wurde jetzt von Ukumbi aus mit verwaltet. In der Regel ging Psre Guyaut am Sonnabend hinüber, um Sonntags dort Gottesdienst zu halten, und kehrte am Montag nach Ukumbi zurück. In den Wochen, während deren wir in dieser Gegend lagen, war Pöre Guyaut mit einem Fröre dauernd in Nyagesi in Erwartung des Mon- seigneur Livinhac. Der Superior von Ukumbi und Nyagesi war bis dahin Monseigneur Hirth gewesen, welcher indes jetzt gerade an Stelle des nach Europa zurückberufenen Monseigneur Livinhac zum Chef der gesamten katholischen Mission um den Viktoriasee ernannt worden war. Monseigneur Hirth ist eine hohe magere Erscheinung mit einem leichten Vollbart und goldener Brille. Er hat durchaus den Charakter eines deutschen Gelehrten und ist in der Dogmatik seiner Religion in hervorragendem Maße bewandert. Er spricht und schreibt ein ganz gutes Deutsch, wenn auch ersteres mit stark elsässischem Akzent. Unsere Unterhaltung wurde abwechselnd in Deutsch und Französisch geführt, und manchen langen Abend haben wir uns über die Unterscheidungslehren unserer beiden Kirchen unterhalten.
Gleich nach meinem Eintreffen stellte mir Monseigneur Hirth den ?sr6 xroeursur der Station, Monseigneur Hautecoeur vor, einen sehr interessanten und aufgeweckten kleinen Mann, welcher lange Jahre in Unjanjembe gelebt hatte und mir viele wichtige Mitteilungen über das Treiben der Araber daselbst machen konnte. Da Monseigneur Hautecoeur auch ein starkes Verständnis für Witz besaß, trug er zur Belebung unserer Unterhaltung an der Tafel in hervorragendem Maße bei. Er besorgt alle die geschäftlichen Angelegenheiten der Station und ist geschickt in allen möglichen Arbeiten, vom Drechslern und Tischlern an bis zur Verfertigung von Patronen und Reparieren von Gewehren. Ich pflegte gern in den Nachmittagstunden in seine Wohnung hinüberzugehen, um ihm bei seinen Arbeiten zuzusehen.
Peters, Die deutsche Emin Pascha-Expedition. '^'> 3^5