IX. Der Verkehr
Australien ist und bleibt noch immer der entlegenste Kontinent, dessen Erreichung von Europa und auch von Amerika aus größte Reisedauer erfordert; brauchen doch selbst die neuen Schnelldampfer des Norddeutschen Lloyd 39 Tage von Neapel bis Sydney, eine Zeit, in der man voir demselben Hafen aus nach den: äußersten Osten Asiens, nach Jokohama in Japan, gelangen kann. Und doch ist die Einführung der Dampfschiffahrt gerade für den entlegensten Erdteil ein ungeheurer Fortschritt gewesen. Denn um das Jahr 1840, kurz vor Einführung der Dampfschiffahrt, brauchte ein Bries von Australien nach Europa gewöhnlich drei bis vier, oft aber fünf bis sechs Monate, wenn die Reise der um das Kap der Guten Hoffnung fahrenden Segelschiffe nicht völlig glatt verlief. Für den Osten Australiens ist übrigens durch die Durch- stechung des Isthmus von Suez keine so sehr große Zeitersparnis erwachsen, da der Weg um das Kap nicht allzuviel länger ist; immerhin benutzen jetzt fast alle Dampferlinien den Suezkanal.
Wir haben jetzt eine Reihe von Dampferlinien, die uns nach Australien zu bringen vermögen. Zuerst die große englische Gesellschaft Peninsular and Oriental Steam Navigation Company, gewöhnlich i? L 0 genannt, dieselbe, die auch den südasiatischen Dienst und die Reisen nach den: Osten, China, Japan, in Händen hat. Die Abzweigung von dieser Linie erfolgt in Colombo auf Ceylon, einem immer mehr wachsenden Knotenpunkt. Die Dampfer dieser Linie haben etwa 4000 — 5000 Tonnen Gehalt, machen 300 Seemeilen den Tag, erreichen von Brindisi aus Sydney in 39 Tagen und werden, weil sie keine Zwischendeckspassagiere und nur wenige der zweiten Kajüte führen, deshalb vielfach den übrigen vorgezogen.
Andere Schiffe der britischen Gesellschaft liefen aber auch bereits von Brindisi, einem ebenfalls mehr und mehr aufkommenden Abgangshafen, über die als britische Kohlenstation eingerichteten Tschagos-Jnseln direkt nach Sydney und brauchten auf dieser Strecke 40 Tage; doch ist die Reise auch von Melbourne selbst nach London in 38 Tagen gemacht worden. Berührt werden auf der Hinfahrt Albany in Südaustralien, vier Tage später Adelaide, nach drei weiteren Tagen Melbourne lind abermals nach drei Tagen Sydney.
Über Colombo erreicht die Orient-Linie Sydney in 39—40 Tagen. Ihre Schiffe sind die größten und raschesten, haben zum Teil mehr als 5000 Tonnen Gehalt und legen in Neapel an, nicht in Brindisi; da sie außerdem Zwischendeckspassagiere nehmen, so gelten sie vielen nicht für wählenswert und gewählt genug und stehen in Bezug auf die gesellschaftliche Stellung der Passagiere hinter der Peninsular and Oriental-Linie zurück. Beide Linien halten vierzehn- tägigen Dienst ein. Eine dritte Linie verkehrt unter britischer Flagge zwischen London und Brisbane, berührt dabei die Häfen des Roten Meeres, Suez und Aden, ferner Colombo, Singapur oder Batavia und geht durch die Torres-Straße nach Cooktown, Townsville und anderen Häfen Queenslands weiter. Das ist die British Jndia Steam Navigation Company, die den Weg Plymouth-Brisbane in 54 Tagen zurücklegt. Da sie den Verkehr mit Queensland vermittelt