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[Bd. 5] (1895) Australien und Ozeanien : eine allgemeine Landeskunde / von Wilhelm Sievers
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Tasmanien. Australien.

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Das Klima der südlich von Neuseeland liegenden Inseln ist ein kühles Seeklima. Die Auckland-Gruppe unter 50 , 5 " südl. Breite erfreut sich zwar wegen des an der Ostküste Austra­liens nach Süden ziehenden warmen Meeresstromes verhältnismäßig warmer Sommer, da die Mitteltemperatur des Sommers 9,8° beträgt, und eines milden Winters, aber das ganze Jahr, namentlich in: Sommer, ist das Wetter stürmisch. Der Juli soll den: April in England ähnlich sein, die tiefste Temperatur des Winters ist5,6", zuweilen aber steigt die Temperatur auch in: Winter auf ->-10 und ->-11°; das Gras bleibt grün, die Bäume behalten ihre Blätter, anderseits aber kommen auch im Sommer Fröste vor. Westwinde sind am häufigsten, die Nie­derschlagsmenge bedeutend.

Tasmanien nimmt in klimatischer Beziehung eine Mittelstellung zwischen Neuseeland und Australien ein, da es im ganzen noch ein mildes Klima hat, aber zuweilen doch von den heißen Winden Australiens erreicht wird. Hobart hat eine mittlere Jahrestemperatur von 13,iH also wie Wellington, einen Januar von 17 , 3 ° wie dieses, einen Juli von 8,8", etwas weniger als Wellington, einen Oktober von 12,?o und einen April von 13 , 4 °, fast genau wie diese Stadt, so daß das Klima beider Städte fast genau dasselbe ist. Dagegen bleibt die Regenmenge mit 59 em selbst hinter Christchurch zurück, steigt aber wie die Temperatur nach Norden hin bis 81 ein in Launceston und nach Westen bis 116 eni in Port Arthur an. Bei der Annäherung an das Festland sinkt sie auf Goose Island in der Baß-Straße wieder auf 55 ein, bei einer Mittel- temperatur von 14 , 1 ", einem Januar von 18,io und einen: Juli von 10 , 20 . Die Winde sind, wie in Südaustralien, in: Sommer meist südöstlich, in: Winter nordwestlich bis westlich, doch kommen auch Nordost- und Nordwestwinde in: Sommer vor. Die Regenmenge ist an: größten in: Juli, Mai, Juni und Dezember, an: geringsten in: Januar und Februar. Die höchsten Tagestemperaturen steigen bis 38", die Nächte sind meist kühl und angenehm, und das Klima gilt in: ganzen, wie das von Neuseeland, als sehr gesund.

Eis und Schnee kommen in: Winter auf dem inneren Hochland häufig vor. An den Küsten tritt Schneefall noch nicht regelmäßig ein, in Hobart ist er selten; aber die Berge sind öfters ver­schneit, und selbst in: Sommer liegen noch Schneeflecke auf den Höhen.

2. Aas subtropische Australien (Küdostpassat).

Das Festland Australien liegt zwischen 40 und 10 ^ südl. Breite, also in: Passatgebiet und in der Gegend des hohen Luftdrucks der Wendekreisgebiete, so daß es von vornherein einen: warmen, trocknen Klima zuneigen wird. Mit seinen: Areal von 72/3 Mill. Quadratkilometer ist es natürlich im stände, die Einflüsse einer großen Landmasse auf das Klima geltend zu machen, nämlich durch starke Erwärmung in der marinen und durch erhebliche Abkühlung mittels Ausstrahlung in der kühlen Jahreszeit; indessen kann dieser Einfluß bei weiten: nicht so kräftig wirken wie :n den größeren Erdteilen. Außerdem ist die Lage Australiens nahe den: Zentrum der Wasserhalbkngel geeignet, das Klima in gemäßigtem Sinne umzuformen. Wenn dennoch das Klima des anstra- lischen Festlandes in: ganzen trocken und heiß ist und die Wüstenbildnng fördert, so verschuldet das die für das Klima des Kontinents ungünstige Lage des Hauptgebirgszuges. Da nämlich die Australische Kordillere den: Ostrande des Festlandes entlang zieht, fängt sie die mit den: an: häufigsten wehenden Südostpassat von: Meere herangeführte Feuchtigkeit auf und erlaubt nur geringen Niederschlügen, den Westen des Kontinents zu befeuchten. Diese Stellung der Haupt- gebirgskette zu den Regenwinden wird daher verhängnisvoll für das ganze Innere und verursacht die Scheidung Australiens ii: einen feuchten Osten und einen sehr trockenen Westen. Diesen: fehlen