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bunte und gestaltenreiche Umgebung, wie elektrische Funken hin- und herschnellend. „Plump und voller Ungeschick“ rollen und schieben sich dickbäuchige Holothurien mit ihrem gurkenförmigen warzigen Körper, schleichen weiche Seeschlangen, halb schwimmend, halb kriechend, beliebige Seeigel und Seesterne, und phlegmatische Seekrabben, bunte Hummern, Langusten etc. in chaotischem Durcheinander zwischen den Korallen und Muscheln.
Kein Wassertropfen ist unbelebt und dem Grossen bieten Kleinere reichlich Nahrung. Mächtige Muscheltiere, Quallen. Polypen und Tinten tische besiedeln den Boden des Meeres, und allerhand Schalen und Gehäuse führt die brandende Woge über das Riff an den Strand, wo man die oft mehrere Kilogramm schweren Deckel der Riesenmuschel (Tridaoia gigas ) etc. in Mengen sammeln kann.
Die grosse „Seeschlange“ sucht man zwar auch im Stillen Ocean — vergeblich, selbst die „ältesten“ Samoaner wissen sich nicht darauf zu entsinnen, dagegen erzählt auch die Samoa-Mythe von „fe’e“ dem furchtbaren Kraken, der in den alten Seegeschichten eine Rolle spielt, aber lange in das Reich der Erzählerphantasie der Seefahrer versetzt wurde, dass er des Meeres Hyäne den Hai besiegte und mit seinen würgenden Riesenarmen in die Flucht schlug, Heut weiss man, dass solche fabelhafte Seeungeheuer leibhaftig die Tiefen des Meeres beherbergt, dass sie mit ihren viele Meter langen Polypenarmen die Fischleinen und Apparate der Tiefsee - Forschung capern und, mit Centnerschwerem Leibe doch leicht beweglich, sich auch an Schiffe festsetzen. Den Samoanern sind diese Untiere bekannt; aber in der Nähe der Inseln scheinen sie nicht zu hausen. Daher hat man ihre mythische Grösse — wahrscheinlich wie den Moa auf das Huhn (S. 110)—auf den Tintenfisch reduciert. Dagegen betrachtet man verschiedene Stätten der alten Götter jetzt noch als dem Kraken geweiht, der z. B. im oberen Flusslauf des Yai- singano (wo merkwürdigerweise die relativ seltene Erscheinung basaltischer Säulen, also in unverbrannter Form, zu Tage tritt) ein grosses Haus besessen haben soll, das bis heute von vielen Samoanern mit heiliger Scheu und Ehrfurcht genannte „fale fe’e“ = Haus des Fe’e.
Der Palolo.
Von den verschiedenen Mollusken, Schnecken und Würmern, welche sich einer gastronomischen Beliebtheit erfreuen, dürfte der Palolowurm zweifellos als seltenste und eigentümlichste Delicatesse zu betrachten sein. Was wir in der neuesten Auflage von Meyers Conversationslexicon über diesen marinen Borstenwurm (Lysidice viridis) aus der Familie der Euneciden aufgezeichnet finden, entspricht nicht ganz der Wirklichkeit, nähert sich aber doch immerhin