291
wie sie auf Neu-Guinea Vorkommen, dem armen Otto Ehlers eine Pein gewesen sind.
Enorm reich ist das M e e r an Fischen, Krustem, Holotliurien, Seeigeln u. s. w. Vor Allem spottet der Reichtum an Fischen aller Beschreibung. Vom gefrässigen Hai in zweierlei Form (ein grosser Menschenfresser „tanifa“ und eine kleinere blaue, harmlosere Art „mali“) und dem urkomischen Delphin bis zu winzigen Korallen- lischchen giebt es hunderterlei Zwischenformen. Die Hyänen des Meeres fehlen nirgends; sie wagen sich sogar in die Buchten und Häfen und folgen, gierig auf Beute lauernd, den Schiffen; im Hafen von Apia umkreisen sie die Kriegsschiffe, um Abfälle zu erhaschen und sogar nach Menschen zu schnappen. Ein deutscher Matrose wurde Anfang der neunziger Jahre von einer solchen Bestie schwer beschädigt, aber noch glücklich gerettet.
Der Orkan von 1889 mag den gefrässigen Tieren willkommene Beute geliefert haben. Die Eingeborenen lieben das Fleisch des Haifisches, und die Segelschiffe fangen die Tiere mit Tauködern, nach denen sie schnappen, und an denen sie sich fangen, indem der schwammartige Köder von den nach rückwärts gerichteten Zahnreihen festgehalten wfird. Die so gefangenen Haie werden dann für 10— 20 Mk. an die Samoaner verkauft.
Eine grosse Zahl der Fische zeichnet sich durch schöne Farben und absonderliche Formen aus. Am farbenprächtigsten, gefleckt, gestreift, buntschillernd in prächtigem Silber des Mondspiegels, purpurnem Golde u. s. w. sind die Riffbewohner, zierliche Arten, die sich überwiegend zwischen den’ Korallenstöcken, von ihnen gegen grössere Räuber geschützt, aufhalten. Es dürfte einem Maler kaum gelingen, ein Colorit zu mischen, das nicht auf dem Schuppenkleid dieses oder jenes Fisches enthalten ist. In der Form ist die schmale mit rundem Rücken vorwiegend; die Rückenflosse ist häufig sehr stark entwickelt und bei vielen Fischen am Ende stark verlängert, in einzelnen Fällen peitschenartig zu langem Fortsatz. Man findet darunter ganz abenteuerliche Formen. Ganoidschupper mit direkt kantigem, sogar viereckigem Körper, kugelrunde Stachelrochen, deren Schuppen in scharfe Hornstacheln umgebildet, das Tier zu einem scheusslichen „Nolinietangere“ machen. Wenn man bereits so weit in die Wunder und Überraschungen der Natur eingedrungen ist, dass man sich über nichts mehr wundern zu können glaubt, so wundert man sich doch, wenn man in die Geheimnisse der tropischen Meere einen tiefen Blick thut. Es ist als ob die Schöpfung ihre schönsten Farben und kühnsten Formen hätte vor dem menschlichen Auge verbergen /wollen; denn gerade in den verborgensten Tiefen und versteckt in Schlupfwinkel zwischen den bunten Korallen lauern ganz abenteuerliche Fischlein aut Beute, selbst geschützt gegen da Auge ihrer Feinde durch Anpassung in Form und Farbe an ihre
19*