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Pflaiiziuigsarbeiten und Ernte.
Die Cocospalme verlangt von dem Augenblick, wenn die Nuss gepflanzt ist, wozu man grosse Exemplare von gut tragenden Bäumen auswählt, keinerlei Pflege mehr; sie gedeiht auch trotz Unkraut und Gestrüpp und wirft später ihre reifen Früchte dem Pflanzer in den Schoss. Dagegen lässt das Einsammeln der Nüsse eine Reinhaltung der Pflanzungen notwendig erscheinen; denn hauptsächlich fremde, nicht auf Samoa heimische Gewächse machen sich mit Vorliebe unter dem luftigen Dach der schlanken Tropenkönigin breit. Am ärgsten treibt es das in unseren Warmhäusern seiner Reizbarkeit wegen so beliebte „Noli me tangere“, die zarte, verschämte Mimose, Mimosa pudica-, sie thut zwar auch dort bei jeder unzarten Berührung verschämt, zeigt aber dannach ein höchst unfreundliches, struppiges Aussehen und erweist sich in Wahrheit als unverschämt gegen Pflanzen, Tiere und Menschen. Die Pflanzen unterdrückt und verbirgt, Menschen und Thiere sticht sie unsanft, sie trägt mit Recht ihren Namen „Rührmichnichtan“. Die Vermehrung und Ausbreitung dieses Unkrautes ist enorm, daher hat es auch den Verwaltern viel Kopfschmerzen gemacht. Die Direktion der D. H. P. G. setzte deshalb einen hohen Preis für ein sicheres Vertilgungsmittel aus. Denn das Einsammeln der von dem üppigen Teppich rasch verhüllten Nüsse ist für die nackten Füsse und Beine der Arbeiter eine so fatale Sache, dass sich manche sogar entschlossen, ihre unteren Exträmitäten in feste Hüllen zu zwingen. Da entdeckte man ein Gras, das der Mimose noch „über“ ist, ein sogenanntes Buff alograsausNordamerikafilfonerw/a), das— merkwürdigerweise, ohne sich auf Samoa durch Samen zu vermehren — siegreich dem Feinde den Platz streitig machte und ihn mit seinen lang hinlaufenden Ausläufern erwürgte. Man hotfte mit diesem Grase ausserdem ein gutes Futter für das Vieh zu erhalten. Die zarten und zum Teil vom Vieh sehr beliebten Samoagräser sind leider äusserst anspruchsvoll in Bezug auf ihren Standort und nicht widerstandsfähig gegen häutiges Abweiden und gegen Unkräuter, sodass es im Allgemeinen auf dem vorzüglichen Boden an gutem Viehfutter mangelt. Das Buffalogras fand aber leider nicht den Beifall der geschätzten Vierfiissler; einmal ist es ihnen nicht saftig und zart genug und dann mag ihnen die dumpfige Eigentümlichkeit nicht behagen, die dadurch entsteht, dass das Gras eine feste, die Luft- circulation hindernde Decke bildet; infolge dessen sind die unteren Seiten der Triebe meist bräunlich, wie verfault. Diese Erscheinung gab von neuem zu denken; denn auch den Wurzeln der Cocospalmen,* die ein grosses Bedürfnis nach atmosphärischer Einwirkung haben und deshalb selten tief in den Boden eindringen, oft flach auf der