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kauen, deren gleichfalls giftiger Saft in Mund und Hals die schauderhaftesten Reize hervorruft; die Schmähreden und Demütigungen nehmen dann ebenfalls einen noch weit schärferen Charakter an.
Es gab auf Samoa stets gewisse Orte, deren Bewohnern im Bezirke von Alters her das ehrenvolle Recht zustand, im Kriege die Vorhut zu bilden, an der Spitze der Colonne zu marschieren und den Angriff zu leiten. Diese Dörfer hatten natürlich auch die meisten Verluste in Gefechten; ihre Männer und Jünglinge wurden dafür aber auch in Friedenszeiten besonders geehrt und ausgezeichnet.
Durch Einführung moderner SchiessWaffen hat die Kriegführung, wie gesagt, grosse Veränderungen erfahren, wozu noch die indirecte oder directe Mitwirkung der fremden Mächte besonders die Unterstützung der Malietoapartei durch sie, viel beigetragen hat, Die traditionellen Ceremonien und sportartigen Symptome sind mehr und mehr verschwunden. Die ganze Art der Kampfesweise wurde unter diesem Druck roher und wilder; und der von der Regierung im Namen der Schutzmächte erlassene Befehl, statt des Kopfes nur die Ohren ab zu schneid eil, fand selbst auf Seiten der Regierungspartei keinen Anklang, da die Samoaner es für viel schlimmer hielten, ohne Ohren als geschlagener Krieger weiter zu leben, als den Kopf zu verlieren. Die Samoaner haben aber auch in den letzten Kämpfen gegen geschulte Truppen und Kanonen bewiesen, dass sie auch Krieger im Sinne der Civilisation sein können und, wenn es gilt, ihre Ehre und Freiheit wie Helden verteidigen, einen an Dressur und Ausrüstung überlegenen Gegner nicht fürchten. Die englisch-amerikanischenMarinetruppen haben trotz der barbarischen Mitwirkung ihrer Schiffskanonen und trotz der Unterstützung einiger hundert Malietoaleute gegen die Mataafapartei keinen einzigen Erfolg erzielt, vielmehr sogar ihre Landungsgeschütze verloren und viele ihrer Soldaten zwecklos geopfert, während andere ohne Ohren „glücklich heimkehrten".
Das Haus Godeffroy.
Die Samoa-Inseln bildeten einst den Mittelpunkt eines kolonisatorischen und commerziellen Unternehmens, das in seiner Grösse und genialen Gestaltung in der Kulturgeschichte einzig und in seiner Glanzzeit unübertroffen dasteht. An den französischen Namen Godeffroy knüpft sich eine Epoche deutschen von nationaler Kraft und Vielseitigkeit idealisierten Handelsgeistes, dessen einstige Bedeutung leider im Strome der Zeit mehr und mehr verrauscht.