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Samoa / von F. Reinecke
Entstehung
Seite
181
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Wie schon gesagt, bietet auch der Fischfang Gelegenheit zur Befriedigung bezw. Bestrafung der Wettlust und zwar oft in recht folgenschwerer Weise. Es giebt gewisse Ortschaften, die im Rufe als hervorragende Fischerdörfer stehen, die unter einander eine grosse Fischerzunft bilden, an deren Spitze ein Oberfischer steht, der hohes Ansehen geniesst. Die Unterverbände dieserFischerei­genossen ohne Haftpflicht suchen sich an Tüchtigkeit und Erfolgen zu überbieten und veranstalten daher mehrtägige Wettfänge meist um hohe Preise, Schweine, Taro u. s. w., auch Matten. Die wett­lustige Ortschaft ladet eine andere zum Fang in ihrem Fischgebiet ein, und dann wird gefischt und gefeiert, bis eine Entscheidung gefallen ist. Meist sind dann auch die Vorräte an Nahrungsmitteln der Gastgeber erschöpft, denn Fischen steigert die Leistungsfähigkeit der Esser noch ganz erheblich; der Riesenappetit der Leiber wächst ins Unendliche. Die Folge ist dann, dass die Gäste um Fortsetzung resp. Erneuerung des Wettkampfes auf ihrem Jagdrevier ersuchen, wo dann weiter gefuttert wird, während die zurückbleidenden von den bescheidenen Resten zehren und eifrig bestrebt sind, die Bestände an Schweinen, Geflügel etc. wieder aufzubessern.

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Die Samoaner waren durch La Perouse mit Unrecht in den Ruf eines kriegerisch - wilden und grausamen, wenn nicht rohen Volkes geraten. Ganz im Gegenteil verdienen sie weit eher harmlos genannt zu werden. Nur der alte Brauch, einem gefallenen Krieger, sogar bei lebendigem Leibe, den Kopf abzuschneiden, könnte barbarisch genannt werden; doch stehen dem ja leider weit unmenschlichere Greuel gegenüber, welche sich in Kriegen zwischen civilisierten Völkern noch bis in unsere Zeit abgespielt haben und zu beklagen sind. Unter keinem Volke der Erde kann ein Unbeteiligter um die Sicherheit seiner Person und seines Eigentums in Krieg und Frieden unbesorgter sein, als auf Samoa. Der Verfasser hatte 1894 selbst Gelegenheit, dies zu beobachten und auch einigen Kämpfen als Schlachtenbummler beizuwohnen, von deren Beginn rechtzeitig benachrichtigt. Seit Einführung der Schiesswaffen, die nur allzubald Aufnahme fanden, hat die Art der Kriegführung eine tiefeinschnei­dende Veränderung erfahren. Die alten Samoaner scheinen nur mit Schleudern, Keulen und Speeren gekämpft zu haben. Die Keulen bestanden aus eisenfestem Holz, nicht selten von der Gestalt eines Morgensterns.