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Samoa / von F. Reinecke
Entstehung
Seite
174
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geborene und anerzogene Beweglichkeit der Gelenke, die selbst den wohlgenährten und alten Samoanern nicht abgeht. Besonders staunenswert ist die Biegsamkeit und Drehbarkeit im Hüftgelenk, die am deutlichsten bei dem sitzenden Tanz und bei einzelnen Touren im aufrechten Siva zum Ausdruck gelangt. Nicht minder merk­würdig ist die Flexion des Ellenbogengelenkes der meist schön geformten Arme der Mädchen; eine Erscheinung, die den Anthropologen und Medicinem früher nicht bekannt war. Bei schlenkernden Bewegungen geht der Unterarm über die Gerade­streckung hinaus soweit nach rückwärts, dass er einen stumpfen Winkel von etwa 170° zum Oberarm bildet; in einzelnen Fällen wird der Winkel auf 150° verkleinert. Noch grösser ist die Gelenkigkeit der überwiegend zierlichen schmalen Hände.

Das macht die Samoanerinnen zu unübertrefflichen Masseusen. Darin können unsere Ärzte 'und Heilgehilfinnen noch von ihnen lernen. Die Hand einer Samoanerin ist an sich weich und geschmeidig. Dazu kommt die grosse Bedeutung und Beliebtheit der Massage lomilomi bei den Samoanern und ihre vielfache Anwendung als Heilmittel wie auch als Annehmlichkeit. Wer nach einem längeren Marsch oder Ritt oder von einer Bootsfahrt in einem Samoadorfe einkehrt, wird massiert wenn er will; und wer die Wohlthat dieser Erfrischung kennt, wird sie nie zurückweisen, sondern sie sogar als eine der vielen Formen des Gastrechts erbitten und seinen Kopf mit Vergnügen in den Schooss einer Samoanerin legen, damit diese ihn knetet, trommelt, reibt u. s. w., während eine oder zwei Gehilfinnen den übrigen Körper in zarter Weise, dabei leise singend, bearbeiten. Wenn derPatient sanft entschlummert, dann hält das lebendige Kopfkissen geduldig aus, und die Insassen des Hauses mässigen respectvoll das gewöhnlich schon geringe Geräusch ihrer Unterhaltung, bis der Gast erwacht. Niemand wird dann merken lassen, dass dieser eingeschlafen war, denn das könnte ihm nicht angenehm sein. Das ist eine Höflichkeit der samoanischen Gastfreundschaft.

Fischfang.

Das Wasser bildet das eigentliche Lebenselement der Samoaner. In ihm und auf ihm bringen sie einen erheblichen Teil ihres Daseins zu; und der Reichtum des Meeres an Fischen bietet ihnen Nahrung und Unterhaltung in gleicher Fülle. Jedes makroskopische Lebe­wesen ist ihnen bekannt, fast für jedes haben sie einen Namen, und die Lebensweise der meisten Fische, Mollusken, Kruster, Würmer