Nahrungs- und Genussmittel
Die Samoaner haben einen guten und grossen Magen und viel Zeit zum essen; glücklicherweise fehlt es ihnen auch selten an der Gelegenheit, davon Gebrauch zu machen. Richtige Hungersnot, wie sie auf anderen Inselgruppen des Stillen Oceans häufig eintritt, ist auf dem fruchtbaren Samoa mit seinen fischreichen Gestaden fast ausgeschlossen, wennschon die Verwüstungen der Pflanzungen durch Kriege zeitweise das Füllhorn der Natur stark geleert und die Rationen etwas eingeschränkt haben. Solche Zeiten sind bald wieder überwunden und vergessen.
Die Küchensorgen haben allein die Männer zu tragen; die Frauen und Mädchen helfen wohl bei der Feldarbeit und beim Fischfang, aber die Zubereitung der Speisen kümmert sie nichts, falls sie nicht eine besondere Neigung und Ursache dazu haben. Letztere bietet oft die Gelegenheit der Unterhaltung mit jungen Männern; denn die Zubereitung der warmen Speisen lässt den Köchen hinreichend Müsse zu einem behaglichen Plauder- und Schäferstündchen. Mit wenigen Ausnahmen werden die samoanischen Gerichte warm zubereitet; im Samoaofen gedämpft bezw. geröstet — aber kalt gegessen.
Der „Samoaofen“ erinnert an die „Schwedische Kochkiste“; er hat den grossen Vorzug, dass er überall vorhanden ist, bezw. das dazu erforderliche Material, welches nur aus Steinen besteht; in den Ortschaften wird er, wie schon angedeutet, im Kochhause errichtet. Auf einen Stoss Brennholz — trockne Äste etc. — werden reichlich faustgrosse Basalttrümmer gehäuft; dann wird das Holz angezündet — mit Streichhölzern oder wenn solche fehlen oder nass geworden sind, mit einem Reibfeuerzeug alter Art. Dadurch werden die Steine heiss. Inzwischen wird das Spanferkel oder Schwein, oder was sonst zubereitet werden soll, vorbereitet. Wenn das Feuer erloschen ist, werden die Steine mit Holzzangen — zwei Stückchen Holz — auseinandergenommen, und die zu kochenden Speisen werden auf die unterste Schicht gelegt, dann wieder mit den anderen heissen Steinen und schliesslich je nach Bedarf, mit Bananenblättern und Erde bedeckt; wenn nur schnell zu erwärmende oder zu röstende Nahrung in Betracht kommt, genügen Bananenblätter; für längere Proceduren wird der Ofen durch Bedeckung mit Erde länger warm gehalten. Ist die erforderliche Zeit verstrichen, dann werden die Speisen dem Ofen entnommen und später meistens kalt genossen. Die auf solche Weise bereiteten Speisen schmecken recht gut und sind ausnahmslos ausserordentlich saftig.