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Die feinen Matten.
Die schon mehrfach erwähnten feinen Matten, Ietonga, repräsentieren anch heute noch symbolisch (len Reichtum und Rang der Familien und ihrer Vertreter; sie sind der einst unverkäufliche Schatz der Samoaner und bilden den Stammbaum der Familien; einzelne Stücke haben daher die Bedeutung von Adelsdiplomen und Urkunden; ihr Wert steigt also in diesem Falle mit dem Alter, aber nicht mit der Schönheit. Manche Ietonga ist in ihrer symbolischen Bedeutung die Ursache bitterer Fehden und blutiger Kämpfe gewesen; denn von ihrem Besitz hing eine unbestrittene hohe Würde, der Vorrang über ganze Distrikte ab. Dennoch aber blieb sie nicht selten, wie das Glück für den Sieger wertlos, wenn sie ihm nicht von den besiegten Besitzern mit all ihren Vorrechten abgetreten wurde.
Aber nicht nur die Qualität, sondern auch die Quantität der Matten spielt eine Rolle. Wer viele feine Matten besitzt, ist wohlhabend und angesehen; viele gute Matten erhöhen den Rang und die Aussicht einen höchsten Titel zu erreichen; denn an verschiedene Ietongas sind besondere Namen und Würden geknüpft, die mit ihnen verschenkt, vertauscht oder verliehen werden. Das ist bei gewissen Anlässen der Fall. Die feinen Matten bilden das Heiratsgut und die Mitgift der Frau, das specielle Besitzrecht [und die Verleihung von Häuptlings- oder Regie rungsmatten, die den besonderen Namen ie o le malo führen, sind an ganz bestimmte Traditionen geknüpft. Bei Häuptlingswahlen für bestimmte Bezirke und auch bei der Königswahl verteilten die Praeteiulenten feine Matten an die Wähler und an die Tulafales, die Sprecher oder Ceremonienmeister bei der Wahl. Wer also mit vielen und guten Matten in die Agitation eingreifen konnte, hatte formell die meisten Chancen als Kandidat. Dazu kamen allerdings auch noch persönliche und verwandtschaftliche Faktoren. Nach erfolgter Wahl wurde der Gewählte wiederum mit feinen Matten vom Volke beschenkt und von den Tulafales mit denjenigen ihrer speciellen Würde belieben, so- dass der für die Agitation verausgabte Bestand wieder ersetzt, oft erhöht und der Reichtum erhalten wurde. Bei der Königs wähl drehte sich der endgültige Ansgang, wie wir gesehen haben, um mehrere Titel, die von verschiedenen Distrikten abhängig sind. Diese Titel bezw. Namen nebst den dazu gehörigen Matten wurden nach Mehrheits - Beschluss mehrgliediger Commissionen vergeben. Die Tulafales, welche hier das entscheidende Wort zu sprechen hatten, wurden vorher in den zuständigen Bezirken gewählt und hierbei spielte die Mattenagitation eine grosse Rolle; desgleichen bei Todesfällen; dann werden sie gewissermassen dem Geiste des verstorbenen Häuptlings geopfert und der Witwe dargebracht. Das