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Samoa / von F. Reinecke
Entstehung
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Im Übrigen ist der Kopfputz weit geringer ausgebildet als bei den andern Südseevölkern; er ist ausser den Gaben der Natur auf die Tuinga beschränkt; ein lielmartig - fundiertes ungeheuerliches Marterwerkzeug, das bei festlichen Gelegenheiten den Kopf bevor­zugter Töchter und Söhne der vornehmen Sippe kennzeichnet. Diese Tuinga (vergl. die Abbildung) besteht in der Hauptsache aus einem festen hutartigen Gestell, mit einem Stirngürtel aus Muscheln, einem Schopf aus Menschenhaaren, einem Perlmutterspiegel und Verzierungen mit bunten Papagei (Senga)-Federn. Manche Tuinga wiegt mehrere Pfund; ihre Befestigung auf dem Kopfe erfordert oft grosse Vorbereitung und Duldsamkeit der Trägerin bezw. des Trägers; zumal, wenn sie beim Tanz mitwirkt, also fest sitzen muss; Kopfschmerzen und unbequeme Nachwirkungen bleiben dem so damit beehrten Kopfe selten erspart.

Die keineswegs leichte Aufgabe der Bearbeitung und Frisur des üppigen Haarwuchses erfordert robuste Werkzeuge. Auch diese werden zumeist aus festem Holze geschnitzt und zierlich am oberen Ende ausgearbeitet, da sie gleichzeitig als Haarnadeln, Haar­pfeile zum Kopfschmuck dienen. Man lindet daher ganz absonderliche Exemplare; manche sind bis 40 cm lang, wovon 5 10 cm auf den unteren Kammteil mit 15 30 Zähnen kommen bei einer Breite von 5 8 cm und einer Stärke von 1 2 mm; der obere Teil ist sehr vielgestaltig und mit Schnitzornamentik versehen. Diese Holzkämme sind fürschwere Arbeit nicht fest genug und würden vor allem einem gekalkten, gar mit Brotfruchtharz verkleisterten und dadurch fest verworrenen Haarwuchs schnell zum Opfer fallen. Für solche Fälle giebt es besondere Instrumente aus den festen Rippen der Cocosblattliedern, die kammartig durch Haare, festen Bast oder Farngefässstränge aneinander gereiht werden und selbst dem dichtesten Kopfbusch trotzen. Auch diese Kämme dienen, durch Perlen, Muschelstücke u. dergl. verziert, als Kopfputz. Man kann sich danach, auch ohne Zeuge einer samoanischen Frisur gewesen zu sein, vorstellen, dass auch die Samoa-Grazien fähig sind, ihrer Schönheit und Eitelkeit Opfer zu bringen.

Landeserzeugnisse.

Ausser dem frühesten Lendenschurz, der aus frischen oder getrockneten franzenähnlich aneinander gereihten Blättern der Cordyline terminalis ti, daher Titi genannt, oder gefärbten Bast­streifen von Hibiscus, einem grossblättrigen Baume mit schönen