Pflichten — wie Arbeit in den Pflanzungen, im Kochhause, Einsammeln von Früchten und sonstigen Nahrungsmitteln erspart, wohingegen sie sich in allen häuslichen Obliegenheiten auch in den Handarbeiten, Mattenflechten u s. w. eine überlegene Gewandtheit aneignen muss.
Man kann gemäss dieser veränderten Lebensweise schon die zukünftigen Taupous an ihrer helleren Hautfarbe, an feineren Gesichtszügen, schmalen Händen, vornehmer Haltung nnd würdevollem Gesichtsausdruck erkennen. Infolge der helleren — weniger in der Sonne gebräunten Hautfarbe — ist der Name Sina, d. h hellfarbig weiss, für Töchter vornehmer Familien auch in der Sage sehr verbreitet.
Bekleidung und Schmuck.
Einst waren die Samoaner in Bezug auf ihre Bekleidung sehr anspruchslos; zumeist sind sie es, in ihrem eigenen Gefühl, noch heute; aber auch sie fügen sich den Forderungen der Civilisation und Mission und „machen die Mode mit“. Ursprünglich bestand das Alltagsgewand in einem leichten Lendenschurz, Lavalava, aus Blattstreifen in bemaltem Baststoff oder feinen Matten, der die harmonische Plastik des Körpers nicht verheimlichte und entstellte, auch die charakteristische Tätowierung der Männer, von der Hüfte bis über die Kniee, erkennen liess. Blumen im Haare, duftende Halsketten aus Blüten und Früchten bildeten den Bekleidungsschmuck.
So trifft man die Eingeborenen auch heut noch bei der Feldarbeit im Busch, wo das Auge des Missionars und der modernen Sittenpolizei noch nicht wacht und die Natur noch nicht beschränkt bezw. verbessert ist. Auch in den abgelegenen Distrikten verhüllt das weibliche Geschlecht nur vor dem Auge des fremden Sittenrichters den Oberkörper. Nacktheit scheint ihnen noch natürlich, und sie sind zu harmlos, um schon schamhaft unter sich zu sein. Das moderne, den Anforderungen der guten Sitte genügende Kostüm besteht bei den Männern auch heut zumeist nur aps einem bis an die Kniee reichenden Lavalava; besonders civilisierte Samoaner leisten sich noch eine leichte Jacke. Die Samoanerinnen tragen über oder unter dem Lendentuch nach alter Sitte, tiputa genannt, der Stola ähnlich, auch dem Poncho der Südamerikaner — ein langes, handtuchförmiges Stück Stoff mit einem Loch in der Mitte, zum Durchstecken des Kopfes — oder ein Hemdchen oder eine taillenartige Jacke; viele Frauen ein langes, glatt herabfallendes, unkleidsames, dünnes Gewand über dem Lavalava und bei festlichen Gelegenheiten — besonders zum Kirchgang auf Wunsch der Missionare