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Samoa / von F. Reinecke
Place and Date of Creation
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teils aus Abneigung gegen grossen Kindersegen seitens der Frauen in unteren Volksklassen sehr verbreitet; auch Mädchen höheren Standes folgen dem Beispiele, um der Schande zu entgehen. Dagegen streben Häuptlinge eine Vermehrung ihrer Familie und damit Ver- grösserung ihres Einflusses an.

Bald nach der Geburt geht die Mutter mit ihrem Kinde nach dem Flusse, um mit ihm zu baden und alsdann sofort die häusliche Thätigkeit wieder aufzunehmen. Die Kinder werden mit grosser Liebe erzogen. Bald nach der Geburt werden sie kosmetisch behandelt; d. li. ihr Gesicht wird in dierichtige Fagon gebracht, die Stirn flach gepresst und die Nase breit gedrückt; denn eine gerade, breite Stirn und breite Nase gelten den Samoanern als schön. Die Neugeborenen erhalten als erste Nahrung den Saft feingekauter Brodfrucht und jungen Cocoskern, dann erst werden sie von der Mutter gestillt, manchmal Jahre lang, oft aber nur einige Wochen; denn sie sollen sich möglichst bald an vegetabilische Kost gewöhnen, die ihnen zunächst noch vorgekaut wird. Diese frühe Entwöhnung und Fütterung mit stärkereicher Kost zeigt sich als Folge bei den Kindern in den ersten Jahren an einem auffallend dicken Leib auf dünnen Beinen; vielleicht ist sie auch die Ursache der hohen Sterblichkeit der Kinder im jugendlichen Alter.

Die Kleinen, welche die Muttergaben manchmal auch mit kleinen Schweinchen teilen müssen, lernen schon sehr früh laufen, werden schnell selbständig und eignen sich in jungen Jahren ein eigenartig würdevolles, altkluges Wesen an: sie sind aber trotzdem bescheiden und respektvoll gegen Erwachsene. Die Mädchen werden schon sehr früh zu weiblichen Arbeiten angehalten, lernen Flecht­arbeiten u. s. w.; und die Knaben helfen den Erwachsenen bei der Zubereitung der Speisen und bei der Feldarbeit.

Tätowierung.

Gelegentlich der Erörterung der samoanischen Königsfrage wurde zur Zeit der letzten grossen Samoawirren darauf hingewiesen, dass ein Hauptfehler des von dem letzten samoanischen Oberrichter Chambers vorgeschobenen Sohnes Malietoa Laupepas in den Augen der Samoaner der Mangel seiner Tätowierung sei, und dass der in der englischen Mission erzogene Tanumafili aus diesem Grunde niemals ernstlich als Thronprätendent inbetracht kommen konnte, solange die alten Traditionen noch im Volksleben der Samoaner fortbestehen und herrschen. Das hat seinen Grund in der hervor­ragenden Bedeutung, welche die Tätowierung noch in besonders