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Samoa / von F. Reinecke
Entstehung
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Darauf kommt die Zeit, da die jungen Leute das Essen bringen. Darauf spricht der Pule: Nehmt 50 Taro und ein Schwein und bringt es dem Priester, dann nehmt 20 Taro und die Schweinslenden und bringt sie den Gästen. Dann fasst zu und teilt gleich aus für die, die draussen und im Hause sind. Wenn dann das Essen beendet ist, dann hält einer im Hause eine Rede zu denen draussen: Höret, die Versammlung ist beendet, dass ihr gut auf sie Acht gebet. Dann bringen diese die Worte (Inhalt der Reden) alle weg, die gesprochen sind. Dann gehen sie auseinander und die Familienhäupter teilen das Ergebnis ihren Familien mit.

Mit den Gesetzen] und Strafen wird es allerdings jetzt leider, wie schon gesagt, nicht mehr so genau genommen.

Familienleben lind Ehe.

Das Familienleben der Samoaner kann man trotz mancher nach unseren Begriffen recht absonderlichen Eigentümlichkeiten als glücklich bezeichnen. Die Familienbande erscheinen zwar insofern ziemlich locker, als sie jedem Familiengliede grosse Freiheit und Unabhängigkeit einräumen; dennoch aber erweisen sie sich wieder als ein fester zusammenhaltender Kitt.

Der Sohn eines Häuptlings hat im allgemeinen die Anwartschaft auf die Rechte und Würden, seines Vaters und auch selbst schon gewisse Vorrechte z. B. über alle Mädchen seines Dorfes, soweit sie nicht unter besonderem Schutze stehen und einer Häuptlings­familie angeboren. Häuptlingsrang erlangt er erst in bestimmtem Alter, wenn er tätowiert ist, nach Erfüllung gewisser Bedingungen mit Zustimmung der Tulafales und Verwandten. Lässt er sich Verstösse gegen seine Familienpflichten und die Dorfschaft zu Schulden kommen, so wird er abgewiesen und, falls er sich nicht rehabilitiert, auch von der Häuptlingsfolge abgeschnitten; das tritt relativ selten ein, da jedem Samoaner das als die schlimmste Schmach erscheint und ihm der Familienstolz schon angeboren ist. Er kann aber auch ohne grosse Verstösse seiner Vorrechte verlustig werden, wenn er sich z. B. gegen einen Pflegebruder, den seine Eltern von Verwandten zur Erziehung übernommen haben, unfreundlich benimmt und dieser Halbbruder oder sonstwie Verwandter von dem Vater oder der Mutter bevorzugt wird; dann können ihm nur die Tulafales oder Verwandten helfen, indem sie ihren Einfluss zu seinen Gunsten geltend machen; das hat mindestens den Erfolg, dass dem rechten Sohne gewisse Namen und Rechte erwirkt werden, mit Hilfe deren er nach dem Tode des Vaters in den Besitz der Häuptlingswürde gelangen kann. Heftige Streitigkeiten sind meist die Folge.