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a lavalava“, wie man einst fast in allen Nummern der Samoazeitung lesen konnte) zu befassen hatte.
Im allgemeinen sind leider, wie schon gesagt, die meisten guten Sitten heut stark erschüttert. Viel haben dazu erklärlicherweise auch die politischen Wirren und die widernatürlichen kriegerischen Unruhen beigetragen.
Admiral B. von Werner, der als Commandant der „Ariadne“ Gelegenheit hatte, Land und Volk auf Samoa zu studieren und seine Beobachtungen und Ansichten auch in dem ausgezeichneten Reisewerk „Ein deutsches Kriegsschiff in der Südsee“ niedergelegt hat, sagt darin „Die Samoaner können in gewissem (moralisch - socialem) Sinne als Kulturvolk betrachtet werden“. Der im Geschichtsabschnitt schon erwähnte Marineschriftsteller scliliesst daran den Wunsch „dass die Südseeinsulaner von uns Europäern geschont und in ihrer Eigenart erhalten werden, dass man ihnen nur das nimmt, was die christliche Religion den dortigen Verhältnissen angepasst, fordern muss.“ Dem wird jeder vorurteilslose Kenner des Volkes unbedingt beistimmen. Eine gewaltsame Unterdrückung des Nationalgefühls eines Volkes wirkt leicht demoralisierend. —Man könnte sogar in rein wissenschaftlichem Interesse noch weiter gehen als von Werner und wünschen, dass Alles getlian würde, um dieses interessante und glückliche Völkchen nicht nur in seiner Eigenart möglichst zu erhalten, sondern es in seine alten echten Sitten und Lebensanschauungen zurückzuversetzen, und so gewissermassen Samoa zu einem „ethnologischen Garten“ oder „Museum“ zu machen und der Nachwelt zu bewahren. Das ist aber leider unmöglich.
Gesellschaft und Verfassung.
Die scharf begrenzten Stand esu nt er sch i ede im samoanischen Gesellschaftsleben lehnen sich direkt an die Schöpfungssage an. Die Eingeborenen unterscheiden sich auch heut noch als Vornehme, Häuptlings- oder Adelssippen und Gemeine. Der Samoa-Adel stammt direkt von Göttern ab; seine Urahnen wurden durch Tangalao als Götter aus dem Felsen hervorgerufen oder später von Göttern erzeugt. Als Tangaloa das Weltall und die Erde geschaffen hatte (S. 104), sprach er nochmals zum Felsen, und es trat heraus Luao, ein Knabe, dann Luavai, ein Mädchen. Diese setzte Tangaloa in den Himmel als Erzeuger. Ein Knabe ward ihnen geboren und dann ein Mädchen. Dann entstand der Mensch, für welchen dem Felsen der Geist: Anganga, das Herz: Lolo, der Wille: Finangalo, und der Gedanke: Masalo, entsprangen. Tangaloa sagte zum Felsen: Lass