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Ebenso lebt gewisse Ehrfurcht vor vielen göttlichen Tieren noch ungeschmälert weiter, zumal wenn sie göttliche Urahnen hoher Familien incarnieren. Das gilt besonders von der schwarzen Eidechse, Pili. Nach den Erzählungen der Samoaner ist die Eidechse ein Sohn des höchsten Gottes Tagaloalagi, und des Regen- bogens. Infolge dieser hohen Verwandtschaft hat die Eidechse auch sehr grossen Einfluss ; und auf ihre Bitten schickt der Wettergott, wenn die Menschen von bösem Wetter belästigt werden, besseres. Seinen Einfluss nützt das Tier um so mehr zum Besten der Menschen aus, als es von seinem Vater den Auftrag erhalten hat, den Menschen überhaupt, inSonderheit ihrenNachkommen, hilfreich und tröstend zur Seite zu stehen. Zuerst erhielt die Eidechse den speziellen Auftrag, den Samoanern die Kunst des Landbaues .und die des Fischfangs beizubringen. Dieser Aufgabe entledigte sie sich so gut, dass sie nunmehr damit betraut wurde, den Samoanern als Gott des Hauses und ■des Heerdes, als Schutzgott in Gefahr und Not, zu Lande und zu Wasser zu dienen, so dass die Insulaner sich mit der Zeit daran gewöhnten, die Eidechse für ihren wichtigsten und höchsten Gott anzusehen, und dass sie schliesslich ihr die Verehrung erwiesen, die eigentlich ihrem Vater Tagaloaalagi zukommt.
Sprache, Musik und Dichtung’.
Die Samoa-Sprache ist am nächsten verwandt der der Tonganer und benachbarter polynesischer Inseln, dann der der Maoris und Tahitenser, während die Dialekte auf Hawaii vielfach schon stark von der polynesischen Ursprache (der Maoris) abweichen. Die Sprache der Samoaner gehört, wie alle malayisch-polynesischen zu den glutinierenden oder polysynthetischen, weil die Trennung von Wort und Satz in ihr noch nicht voll entwickelt ist, bezw. nicht immer zum Ausdruck kommt. Die einfachen Wörter werden aneinander gereiht und oft zu einem zusammengesetzten Worte mit der Bedeutung eines Satzes vereinigt, z. B. fia’ai = ich will essen, flainu ich will trinken, ich habe Durst, tatou'o — wir wollen gehen, taufoi -- eine Leine (tau) am Ruder (foi) befestigen.*)
*) Vergl. I)r. B. Funk, „Kurze Anleitung zum Verständnis der samoanischen Sprache, Grammatik und Vokabularium“; Mittler & Sohn; — ferner Pratt „Grammar & Dictionary of the Samoan language“; London Missionar}' society — und Dr. 0. Sierich „Deutsch samoanisches Taschenwörterbuch“; Hamburg, A. Ebert. — Das kleine Büchlein von Dr. Funk ist für schnelle Erlernung der wichtigsten Redensarten und Aussprachen sehr geeignet.