Druckschrift 
Samoa / von F. Reinecke
Entstehung
Seite
98
Einzelbild herunterladen
 

In diesem letzteren Sinne bewegten sich auch unverkennbar die Unterhandlungen der Regierungen. Als von allen Seiten gegen eine Aufgabe Samoas lebhaft Protest erhoben wurde, trat in letzter Stunde schliesslich noch eine "Wendung ein, die mit der unerwarteten Teilung Samoas zwischen Deutschland und Amerika und der Ab­tretung aller Vorrechte auf den Tonga-Inseln, sowie zweier Salomons- Inseln an England eine Lösung der brennenden Frage herbeiführte.

Wenn dieser Abschluss der langen und ereignisreichen Drei­herrschaft auf den lieblichen Inseln auch keineswegs ideal genannt werden kann, da Deutschland sich nur mit dem grösseren, westlichen Teil der Inselgruppe gegen Verzicht auf seine grossen Vorrechte auf den Tonga-Inseln*) und zwei Salomons-Inseln zu Gunsten Englands begnügte, während es die kleineren, östlichen Samoa-Inseln: Tutuila und die Manua-Gruppe mit dem Hafen von Pangopango an Amerika cedierte (auch von unseren spanischen Erwerbungen den Marianen haben wir bekanntlich die Insel Guam mit dem besten Hafen Amerika überlassen müssen) so darf man doch hoffen, dass die neue Teilung Samoas bis auf weiteres eine gedeihliche, friedfertige Ent­wicklung des deutschen Gebietes gestatten wird. Das allein bedeutet wirtschaftlich und politisch einen grossen Erfolg. Denn ohne einen materiellen Nutzen zu gewähren, haben die kleinen Inseln der bedauerlichen Verteidigungspolitik furchtbare, materielle und nationale Opfer gekostet und das muss man ihnen lassen: den Diplomaten und Kolonialpolitikern manche schwere Sorgen bereitet, ja sogar mehr als einmal das Gleichgewicht der internationalen Friedenswage ins Wanken gebracht.

Deutsch SainOcT.

So konnte denn nach Ratifikation des neuen Samoa-Abkommens (16. Februar) zu Berlin, schon am 1. März 1900 auf dem alten Königssitze Mulinuu bei Apia die deutsche Flagge mit grossem Jubel der Deutschen, in Gegenwart der meisten Ansiedler und mehrerer Tausend Samoaner, sowie einer Abteilung desCormoran unter Kapitän Emsmann von dem zum ersten Gouverneur Deutsch Samoas ernannten Dr. Solf gehisst werden. Auch die englische Mission machtegute Miene zum bösen Spiel und beteiligte sich an dieser Feier, um gleichzeitig eine von Reverend Newell verfasste Er­gebenheitsadresse zu überreichen, aus deren Inhalt hier für spätere Zeiten nachstehende Sätze wiedergegeben seien:

*) Vergl. den AbschnittHandel.