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Deutschen allgemeldeten Schadenersatzansprüche belaufen sich einschliesslich derer, der am meisten geschädigten deutschen Handelsund Plantagengesellschaft auf 300000 Mk. Dazu kommen noch die Forderungen des Kapitäns Hufnagel und von F. Marquardt wegen widerrechtlicher Freiheitsberaubung von 20000 bezw. 80000 Mk. Die Prüfung und schwierige Entscheidung dieser Forderungen ist von den drei Mächten als unparteiischem Schiedsrichter dem König von Schweden übertragen worden und dürfte inzwischen eine erwünschte Erledigung gefunden haben.
Die Stimmung'.
Unter fortwährenden Mahnungen und Drängen der öffentlichen Meinung, hüben wie drüben, nahmen die Verhandlungen über die endgültige Erledigung der Samoafrage zwischen den drei Mächten einen schwierigen, schleppenden Fortgang. Nach alledem, was sich Deutschland sowohl auf Samoa, wie auch in offiziösen Auslassungen der Presse von den Vertragsmächten in letzter Zeit hatte bieten lassen müssen, wäre ein Aufgaben der letzten Besitzrechte deutscherseits ein schwerer Schlag gegen die deutsche Ehre, das nationale Empfinden gewesen. Hatte Deutschland bisher notgedrungen im Interesse der Erhaltung des Friedens und Einvernehmens mit den anderen Mächten sich damit begnügt, seine Vorrechte auf Samoa auf die Forderung der Gleichberechtigung zu beschränken, so konnte es jetzt in Anbetracht des einzigen Ausweges, für eine friedliche Gestaltung der Verhältnisse doch nicht mehr auf seine Vorrechte und auf unbedingte Genugtlmung verzichten. Es musste voll und ganz seine Ansprüche geltend machen, um die schweren Erniedrigungen und Beleidigungen, welche die deutschen Vertreter und deutschen Unterthanen auf Samoa erfahren hatten, zu sühnen und die deutsche Fahne wieder zu Ehren zu bringen.
Die Nachrichten von den Vorgängen auf Samoa wurden nur lückenhaft bekannt, da die beteiligten Regierungen die Berichte über den wahren Sachverhalt zurückhielten, was jedoch keineswegs dazu beitrug, die öffentliche Meinung zu beruhigen, zumal Reuthersche Telegramme, in englischem Sinne entstellt, in der englischen Presse ein wahres Wutgeheul entfesselten, das sich mit drohenden Vorwürfen gegen Deutschland richtete. Hier aller lösten die Meldungen von der wegwerfenden Behandlung der deutschen Vertreter, von dem frevelhaften Bombardement Apias, von der Verhaftung der wackeren Deutschen, insonderheit des Kapitäns Huf-