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Die Samoa-Kommission.
Die von den drei Mächten angekündigte K o m m i s s i o ir wurde naturgemäss mit Sehnsucht erwartet. Am 3. Mai traf der neu ernannte Präsident des Munizipalrates Dr. Solf als Nachfolger Dr. Paffeis in Apia ein. Er konnte aber, da Chambers und Kautz sich noch als die Verwalter und „Beschützer“ Apias guerierten, sein Amt nicht antreten, weil er sich naturgemäss weigerte, diesen beiden Usurpatoren den Eid zu leisten, der von ihm gefordert wurde. Am 13. Mai erschien die Kommission an Bord des amerikanischen Hiilfs- kreuzers „Badger“, um alsbald ihre Arbeiten zu beginnen. Damit erlischt gewissermassen das .historische Interesse an der nächsten weiteren Entwicklung der Dinge auf Samoa selbst. Dagegen flammten jetzt die nach den Kontinenten gelangten Funken des Samoafeuers hell auf. In der Presse wogte ein Nachspiel der Kämpfe und Wirren auf den harmlosen Inseln herüber und hinüber und besonders die englische Presse und Presspolitik zeitigten wiederum die wunderbarsten, geradezu undefinierbare Früchte an Deutschenhass, gemeinen Beleidigungen und Beschimpfungen der deutschen Politik und des Verhaltens der deutschen Vertreter, denen sowohl von der Regierung wie von dem deutschen Volke volle Anerkennung, voller Dank für ihr festes Auftreten und Eintreten für die deutsche Ehre gebührt.
Es sei nur noch kurz erwähnt, dass bald nach dem Erscheinen der Kommission auch die Unruhen beigelegt waren, dass Mataafa mit seinen Anhängern trotz aller Feindseligkeiten ohne weiteres die Waffen ruhen liess und sich der Kommission zur Verfügung stellte, ja selbst wieder alles aufbot, um Ruhe und Ordnung zu fördern und die Sicherheit nach besten Kräften wieder herzustellen. Die geflüchteten Fremden kehrten nach Apia zurück und konnten ihre gewohnte Thätigkeit wieder aufnehmen, nachdem sie den verlassenen zum Teil verwüsteten und geplünderten Hausstand wieder hergerichtet und notdürftig ausgestattet hatten.
Ein wesentlicher Erfolg der Kommission war es, dass zunächst Mataafa am 31. Mai, als die drei Kommissare ihn in Malie besuchten, 1831 Gewehre ablieferte. Auch Tann konnte sich diesem Beispiel gegenüber nicht widersetzen und lieferte P288 Flinten, sowie 700 seiner Zeit vom „Porpoise“ verteilte Hinterlader ab. Da die Samoaner natürlich noch über einen sehr grossen Reservefonds von Gewehren verfügten, wurden die Entwaffnungsversuche fortgesetzt; und dem Einfluss Mataafas, seinen friedlichen Absichten, wie dem Verlangen des Volkes nach langersehnter Ruhe, war es auch zu verdanken, dass noch eine grosse Zahl weiterer Gewehre und eine Menge von Munition herausgegeben wurde, sodass schliesslich die Zahl der abgegebenen Gewehre auf 5—6000 stieg.