Druckschrift 
Samoa / von F. Reinecke
Entstehung
Seite
73
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mit einigen anderen Häuptlingen, denen er eine Ansprache hielt, worin er ihnen etwa sagte: So ich habe Euch hierher begleitet, da die Not gross ist, die Feinde nahe sind und Ihr mich für Euer Unglück verantwortlich macht. Ich sage Euch, die Deutschen hier sind unsere Freunde, ihr Eigentun ist mir heilig, greift es nicht an. Die Begleiter befanden sich sichtbar in schwerer Gewissensnot; die Angst vor dem Feinde aber siegte; und sie erklärten, herzlich um Entschuldigung bittend: sie könnten nicht anders und müssten Herausgabe aller Munition fordern. Das wurde verweigert und Tamasese wandte sich an den Verwalter der Pflanzung Herrn Krüger und den ihm unterstelltenstoremenager Fred. Betliam, sie bittend, überzeugt zu sein, dass sein Einfluss erschöpft sei, dass er aber zur Stelle bleibe, um dafür zu sorgen, dass keine weiteren Ausschreitungen vorkämen. Der Laden wurde von dem Verwalter geschlossen, von einem Häuptling vorsichtig geöffnet und die Haussuchung rücksichts­voll vorgenommen. Ihr Ergebnis befriedigte das Gewissen der Samoaner nicht sonderlich. Darauf statteten die Herren auch dem Hause des Verwalters einen Besuch ab, wo Herr Krüger eine Cigarrenschachtel mit Patronen auf seinen Schreibtisch gestellt hatte; das wusste Tamasese; und er befahl seinen Begleitern, nach­dem sie diese gefunden hatten, sofort das Zimmer zu verlassen und nichts weiter anzurühren. Dann verabschiedete sich die Kolonne mit bedrücktem Danke. Niemand wird leugnen können, dass die Samoaner sich musterhaft benommen haben. Man musste sie tliat- sächlich bedauern und bewundern. Schon am nächsten Tage hatten sie Gelegenheit die geringe Ausbeute zu verknallen und sich dann weiter zurückzuziehen und sich auf der Südseite der Insel auf einem gutgeschützten Bergrücken festzusetzen, wo sie sich lange gehalten haben. Zu grösseren Gefechten kam es zwischen den beiden Parteien nicht mehr; allmählich trat Ermüdung und Buhe infolge wachsender Nahrungssorgen ein.

Die Krisis.

Als Malietoa am 22. August 1898 seine Dornenkrone mit dem ewigen Leben vertauscht hatte, war Mataafas Rückberufung aus seiner fünfjährigen Verbannung bereits erfolgt. Mit Zustimmung Malietoas und der Vertragsmächte wurde er auf die immer lauter werdenden Bitten des Volkes nach Samoa zurückgebracht, nachdem er gelobt hatte, keine Ansprüche auf die Königswürde geltend zu machen. Bald danach fand die Neuwahl eines Königs statt, und zwar entsprechend den Bestimmungen der Generalakte^ der