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Samoa / von F. Reinecke
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Erwähnt sei hier als ein charakteristisches Symptom der Samoageschickte der vom deutschen Reichstage mit allseitigem Bei­fall aufgenommene Schluss der Rede des Staatssekretärs des Reichs­marineamtes Kontre-Admirals H e u s n e r in der Sitzung am 3. April 1889. Nachdem der Staatssekretär der schweren Katastrophe und der dabei Verunglückten gedacht hatte, schloss er mit folgenden Worten: Sodann bleibt uns die Verpflichtung, unsere Interessen und das Ansehen unseres Namens auch in jenem fernen Weltteile nichts einbüssen zu lassen. In dieser Beziehung wird es kaum notwendig sein, mit militärischer Stärke aufzutreten und militärische Macht zu entfalten. Nach den vorliegenden Nachrichten entsendet aber die amerikanische Regierung 3 Schiffe. Es würde, wenn wir militärisch dort zu schwach vertreten wären, möglich sein, daraus die falsche Schlussfolgerung zu ziehen, dass das Interesse der Reichsregierung an diesen Dingen erlahmt ist. Deshalb sind Anordnungen getroffen, dass in der kürzest möglichen Zeit die deutschen Kriegsschiffe in einer Stärke und Anzahl wieder auf jener Station vertreten sind, die allen Anforderungen, die an sie herantreten, gerecht werden. Bamberger sprach diesmal nicht! *)

Das Königreich Samoa.

Diese folgenschweren Katastrophen hatten den einen Nutzen, dass zwischen den drei feindlichen Mächten ein gemeinsames Ab­kommen über Samoa beschleunigt wurde, da die deutsche Regierung immer noch nicht den Mut hatte, ihre Vorrechte politisch geltend zu machen. So wurde denn am 14. Juni 1889 nach langen Unter­handlungeninderBerliner Konferenz ein dreibeinigesUngeheuer von Vertrag abgeschlossen (Vergl. a. a. 0.), der allen drei Mächten gleiche Rechte einräumte und gleiche Fesseln auferlegte, also eigentlich nichts Neues weiter enthielt, als der Vertrag von 1879 und einen offiziellen Verzicht Deutschlands auf seine lange verteidigten und bis dahin mit grossen Opfern an Gut und Blut behaupteten Präro­gative. Die Gleichberechtigung fand für die deutschen Interessen

*) Wer sich für die denkwürdigen Tage unserer Marine von 1888/89 näher interessiert, dem seien die beiden kleinen Büchlein (je 60 Pf.) von Korvetten - Kapitän Tessdorpf (Eisenschmidts Büchersammlung für Unteroffiziere und Mannschaften), sowie von Ober-MüllerSamoa (H. Mayers Verlag, Leipzig) und ThammVonKiel bis Samoa (Conrads Verlag, Berlin) empfohlen.