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Samoa / von F. Reinecke
Entstehung
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Man beachte nun, dass Bamberger am 13. Juni 1879 erklärt hattedie Thätigkeit der kaufmännischen Vertreter Deutschlands hat dem Mutterland und Samoa zum Nutzen gereicht. Dass die Regierung, da sie eine Flotte besitzt, jene Deutschen unterstützt, will ich auf alle Weise befürworten, ehe man sich aber in Deutschland für Kolo­nien entschliesst, wird man sich wahrscheinlich noch lange streiten müssen! Das w r ar erfreulicherweise ein Trugschluss. Hier haben wir ein drastisches Bild damaligerfreisinniger Logik, gesinnungs­tüchtiger Konsequenz und der Dogmatik unserer kolonialgegnerischen Volksvertretung, die wahrscheinlich Gutes will, aber doch mehr Böses schafft!

Die Belehrung ist nicht ausgeblieben; Samoa hat selbst Bam- berger und seine Anhänger überzeugt und bewiesen, dass es viel billiger und reichsdienlicher gewesen w r äre, aus Reichsmitteln formell eine belanglose Garantie zu gewähren, als die Deutschen und die deutsche Ehre im Auslande nach jener Art zu schützen; denn dieser von dem liberalen Führer empfohlene Schutz hat dem Reiche schwere Opfer an Gut und Blut, allein der Marine über 25 Milli­onen Mark und über 100 brave Kameraden gekostet, und schliess­lich doch mit Zustimmung auch der einstigen Kolonialgegner, die vor zwanzig Jahren von ernsten, weitschauenden Männern empfohlene und erstrebte Übernahme leider nureines Teiles des, einst besseren, Inselreiches notwendig gemacht und herbeigeführt. Gar mancher jener 124 Abgeordneten mag, wenn die verschiedenen Hiobs­nachrichten von Samoa eintrafen, mit gemischten Gefühlen seines parteipolitischen Widerspruch gedacht haben, durch den er sich zum Urheber schwerer Kämpfe und furchtbarer, die Ehre der Nation und .,die Tasche der Steuerzahler belastender, Ereignisse gestempelt hatte. Möge Reue und Besserung ihre Schuld mildern, und die Geschichte Samoas auch ihren Nachfolgern dienlich sein und den Männern, die im Reichstage über das Wohl von Millionen zu entscheiden haben, zu ernster Arbeit, und an die schwere Verantwortlichkeit ihrer, leider oft unterschätzten, Aufgabe gemahnen. Die Ehre der Nation umfasst den Erdball, den Millionen Deutscher ausserhalb der Reichsgrenzen bevölkern!

Nach zwanzig- Jahren.

Die Summe schlimmer Erfahrungen, welche uns die späteren Kapitel zeigen, hat sogar die deutsche Volksvertretung zu überzeugen vermocht und den einst für billigen Preis verschmähten Inseln einen glänzenden Triumph über die damalige Reichstagsmehrheit gewährt;