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Samoa / von F. Reinecke
Entstehung
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schüsse, in Gegenwart dev versammelten Häuptlinge aller Parteien, den internationalen Hiüdigungsgruss darbrachten und seine Be­stallung als König von Samoaauf Lebenszeit nach § 1 des Ver­trages, der Welt verkündeten.

Der Hauptunruhestifter Bartlett und sein Genosse Lord wurden nach ihrer amerikanischen Heimat zurückgebracht; und die Optimisten sahen nun bereits am politischen Horizont des jungen Königreichs, die rosigen Strahlen einer Glück und Frieden verheissenden Morgen­röte emporleuchten. Aber es kam anders!

Es mag keine kleine Aufgabe für den Konsul Weber und die deutschen Kommandanten gewesen sein, gegenüber den Anfeindungen und entwürdigenden Zumutungen, die diplomatische Ruhe zu bewahren und die Instruktionen zu befolgen, wenn die Ehre ihres Landes und ihrer Stellung, ihrer Person und die ihrer Schutzbefohlenen förm­lich mit Füssen getreten wurde, und ihre Widersacher, stets von ihren Regierungen trotz aller Proteste gehalten, im Stillen belobt wurden!Männerstolz vor Königsthronen war hier nicht immer am Platze. Wenigstens nicht auf deutscher Seite, wie die Erfahrung lehrt. Deshalb gebührt den deutschen Konsuln besondere An­erkennung, denen das harte Loos beschieden war, samoanische Sysi- phusarbeit zu verrichten, die im Vollgefühl der Zwecklosigkeit aller Bemühungen und besten Absichten zum Schutz des deutschen Handels und deutscher Ansiedler, trotz der Interessenlosigkeit des Vaterlandes, immer wieder den Versuch machten, die deutsche Ehre zu retten, ihre Pflicht mit bestem Können treulich zu erfüllen. Dass unsere Vertreter das w r ohl ohne Ausnahme gethan und unentwegt im schweren Kampfe ausgehalten haben, beweist die Geschichte Samoas und die Anerkennung ihrer Schutzbefohlenen, deren national­gesinnte, bessere Elemente auch ihrerseits in Freud und Leid treu zu ihren Konsuln gehalten haben, mit dem unerschütterlichen Vertrauen, dass auch daheim einst die Mauer beschränkter Parteipolitik fallen und ein geistig nationales Band alle Deutschen auf dem Erdball vereinigen und stärken werde.

Der deutsche Reichstag.

Die erwähnte Reichtagsversammlung vom 13. Juni 1879 (S. 36) hatte deutlich genug gezeigt, dass die deutsche Volksvertretung für weit ere Aufgaben und Gesichtspunkt e noch nicht reif war, noch im Banne engherziger Interessenpolitik lag. Das Wort Kolonialpolitik wirkte auf die Mehrheit noch wie das rote Tuch auf den Stier. 10 Monate später war noch keine Besserung eingetreten!