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Deutsch-Südwestafrika.
„Er ist weg — hier hab ich ihn wieder — drück, Oom — halt ihn fest — reib, Neef — zieh — such!"
Alle sind außer Atem und schwitzen und drücken und reiben und ziehen und kneten unaufhörlich, bis das Weib wieder zur Besinnung kommt. „Dann die Huis-Apotheek her!" und nun muß sie schlucken, Löffel auf Löffel fließt in den elenden Magen: Roode Lavendel, Witte Dulcis, Benaauwdheids-Druppels, Kramp-Druppels rc. (Hallesche Fabrikate oder Kapsche Erfindung), meist alle durcheinander gemengt, so rät das Doktorbuch, die Erziehung des besagten Apothekergenies.
In der That ist der Boer so überzeugt, daß diese Mittel allein wirkliche Medizinen sind, denn der zweideutige Firman des besagten Genies bestärkt ihn in seinem Glauben, daß er in den meisten Fällen dieses Zeug ärztlicher Hilfe vorzieht, und sollte der Ausgang der Krankheit dennoch unglücklich sein, so verdächtigt er keineswegs die Mittel, sondern giebt sich mit türkischem Fatalismus zufrieden, daß es so bestimmt gewesen sei — daß der Herr es so gewollt habe. Dem praktischen Arzte auf dem Kap ist eine genaue Kenntnis dieser Mittel unerläßlich, denn so unerschütterlich ist des Boers Glaube an die Vortrefflichkeit derselben, daß er jeden Arzt, welcher mit diesen voornaamen (vortrefflichen) Medikamenten unbekannt sein möchte, als Ignoranten betrachten wird. Politik veranlaßt daher leider mehrere Ärzte, zugleich Händler mit jenem Zeuge zu werden.
Dr. Eduard Kretzschmar.
MkttmWrlmilM in Mafrilm
seit Gründung der Aolonie und Veränderungen der Hottentotten an Gestalt und Litte durch Einfluß der
Weißen.
I.*)
Auf den gewöhnlichen Karten entziehen sich die Veränderungen, soweit sie die Eingeborenen betreffen, der Betrachtung, da nur ein
*) Aus einem Vortrage von H. Fritsch in der Sitzung der Berliner Gesellschaft für Anthropologie, Ethnologie und Urgeschichte, den 14. März 1874.