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Deutsch-Südwestafrika.
Bilder aus dem leben der Kuren.
Der Boer als Hausdoktor.
Die Huis-Apotheke im Blechkasten. — Merkwürdige Kurmethode. —
Der Bien muß.
Das Klima in den englischen Kapländern gilt für sehr gesund und die Luft für sehr rein; doch findet sich in der That dieser Vorzug nur auf den Hochplateaus und im südlichsten Teile des Landes. Sonst leidet der Boer an denselben Krankheiten, wie der Europäer, besonders an katarrhalischen; die asiatische Cholera ist dagegen nie aufgetreten, häufig jedoch die endemische Cholera.
Bei der Seltenheit der Ärzte und dem isolierten Leben des Boers ist der Besitz einiger Hausmittel nötig. Es hat daher jeder Boer einen grün lackierten Blechkasten, worauf „Huis-Apotheek" steht und der mit einer Unzahl Fläschchen und anderen Medikamenten gefüllt ist, die zusammen über 3 Pfd. Sterling kosten und womit ein höchst einträglicher Hausierhandel getrieben wird.
Jeder Huis-Apotheek ist eine kurze Heilkunde beigegeben, infolge welcher alles, was des Apothekers Namenszeichnung und Stempel trägt, oxrext ist und natürlich unfehlbar. Dann wird darin der kluge Rat erteilt, immer je zwei oder drei Mittel zu mengen. Ob die Wirksamkeit der einzelnen Mittel durch solches Gemengsel erhöht oder nur ein schnellerer Verbrauch befördert werde, überlassen wir dem Urteile der Konsumenten. Auf alle Fälle sind die Quantitäten, welche der unglückliche Patient, sei es Kind oder erwachsene Person verschlingen muß, wirklich schreckenerregend, und zur besseren Verständlichkeit wollen wir ein paar Skizzen aus dem gewöhnlichen Leben anfügen.
„Nichtje," quakt ein altes Weib, „dein Kind hat viel Koorts (Fieber); bring die Huis-Apotheek und das Doctersboek (das besagte Pamphlet, welches dieser Pandorabüchse beiliegt)".
Sofort wird der Kasten des Heils geöffnet und ein paar Theelöffel aus verschiedenen Fläschchen gereicht, woran das Kind beinahe erstickt.
„Nichtje," quakt der alte Fettklumpen wieder, „das kleine Schepsel (Kreatur) wird Steupe (Konvulsion) bekommen; siehst