468
Deutsch-Südwestafrika.
Die Ovambos lieben ihr Vaterland ungemein und sind stolz darauf. Sie nehmen es übel, wenn man sie nach der Zahl ihrer Häuptlinge fragt, und sagen: „Wir erkennen nur einen König an; bei den Damaras freilich will jeder ein Häuptling sein, wenn er nur ein paar Kühe besitzt." Flüchtlinge von anderen Stämmen werden aufgenommen und dürfen im Lande heiraten, sind aber dann zum Dableiben verpflichtet.
Die Handelsleute unter den Ovambos machen jährlich vier Expeditionen nach dem Süden, wo sie Vieh, sowie Kupfer und Eisenerze eintauschen, die in ihrem Lande nicht vorkommen; sie geben dafür, nächst ihren Metallfabrikaten, Elfenbein, das sie sich durch Fangen der Tiere in Fallgruben verschaffen, und nehmen nebst Vieh am liebsten Glasperlen in Tausch, die eine Art Universalmünze bei allen südafrikanischen Stämmen bilden und ohne welche ein Reisender kaum fortkommen kann. Dabei muß man aber unumgänglich wissen, welche Sorten und Farben in den einzelnen Fällen bevorzugt werden, indem andere als diese gar nicht anzubringen sind.
Die Kuren m Orauje-Freistsit.
Äußeres. — Wohnung. — Hauslebeu. — Gastfreundschaft. — Brautwerbung.
— Grobheiten. — Religiöses Leben.*)
In seinem Äußern steht der Bauer entschieden einzig in der Welt da, er bildet die riesigste, kräftigste Raffe, die ich je gesehen. Ich hatte verschiedentlich Gelegenheit, bei Nachtmahl oder Konfirmation viele Hunderte von Bauern zusammen zu sehen, und obgleich ich selbst beinahe 6 Fuß hoch in den Strümpfen stehe — in der Gesellschaft kam ich mir vollkommen wie ein Zwerg vor. Hünen, Riesen u. dergl. sind Ausdrücke, die mir gar nicht genügen, denn es war weniger die kolossale Größe und Breite, als die stiermüßige Kraft der Männer, die mir imponierte. Ich habe Händchen gesehen, die einen bei den Hörnern gefaßten Ochsen umwerfen können und deren Handschuhmaß mindestens Nr. 24 sein würde. Dabei sagte
*) Aus dem höchst interessanten Buche des geistvollen Korrespondenten der Kölnischen Zeitung, Wilhelm Joest, Um Afrika. Mit 14 Lichtdrucken un!> vielen Illustrationen. Köln, Verlag von Dumont-Schauberg, 1885.