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Deutsch-Afrika und seine Nachbarn im schwarzen Erdteil : eine Rundreise in abgerundeten Naturschilderungen, Sittenscenen und ethnographischen Charakterbildern ; Nach den neuesten und besten Quellen, für Freunde der geographischen Wissenschaften und den Kolonialbestrebungen, sowie für den höheren Unterricht / Von Johannes Baumgarten. Mit einer Karte von Deutsch-Afrika
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Kulturwert von Deutsch-Südwestafrika.

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III.

Kulturwert von Deutsch-Südwestafrika.

Ergebnis der Untersuchungen der Forscher, Ingenieure und Missionare. Ovamboland, Kakoofeld, Nama- und Hereroland. Fisch- und Viehreichtum.

In Deutsch-Südwestcifrika giebt es außer der dürren, kahlen Küste und einigen feuchten, heißen und daher ungesunden Niederungen auf den Hochebenen des Innern weite Länderstrecken, deren Klima den Europäern zusagt und deren Boden zur Viehzucht und oft selbst zum Ackerbau durchaus geeignet ist. Es ist eine unverzeihliche Ver- kennung der Wahrheit und der thatsächlichen Verhältnisse, den Wert des ganzen Landes (20 000 IHM.) nur nach dem 750 iüM. um­fassenden Angra Pequena - Gebiet und des durchschnittlich 1520 Meilen breiten Küstenstriches zu beurteilen, wie es noch immer von Gegnern der Kolonialbestrebungen geschieht. Nach den zuverlässigen Untersuchungen der oben angeführten Forscher, Ingenieure und Mis­sionare hat sich unzweifelhaft herausgestellt, daß in Ovamboland, einem reichen Kornlande, auch ausgedehnte Viehzucht betrieben wer­den kann und von den Eingeborenen zum teil schon betrieben wird, ebenso im ganzen Kakoofeld, weiter nach Süden; im Piet Heibibsch- Gebiete, in Omaheke, im Nama- und Hererolande findet sich nicht bloß vortreffliches Weideland, sondern selbst manche zum Ackerbau geeignete Landstrecke. Alfred Kirchhofs berichtet aus dem letzteren Lande, daß in günstigen Jahren die Weizenernte so reichlich gewesen sei, daß z. B. in Otyimbingue von 1 Pfund Aussaat 55 Pfund Weizen geerntet wurden, daß die Speicher der Missionsstationen mit Tausenden von Scheffeln des besten Weizens gefüllt waren, deren jeder an Ort und Stelle einen Wert von 25 bis 30 Mark ^ 1 Ochse oder 2 bis 3 Hammel hatte.

Dr. Goering, der Kaiserliche Reichskommissar, hebt in seiner Denkschrift besonders den unerschöpflichen Grasreichtnm des Damara- landes hervor, wo einzelne Herero 30- bis 40 000 Rinder besitzen und ausgedehnte Gegenden vor dem Kriege von 1880 von den sogen. Bastards mit großem Erfolge zur Schafzucht benutzt worden waren. Weizenbau ist mit ausgezeichnetem Erfolg von den Missionaren be­trieben worden. Mit Ausnahme der nach dem Kuenefluß abfallenden Ebenen eignen sich beide Länder ihres gesunden Klimas wegen zu europäischer Niederlassung. Dr. Goering zählt eine Reihe von Stellen