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Deutsch-Afrika und seine Nachbarn im schwarzen Erdteil : eine Rundreise in abgerundeten Naturschilderungen, Sittenscenen und ethnographischen Charakterbildern ; Nach den neuesten und besten Quellen, für Freunde der geographischen Wissenschaften und den Kolonialbestrebungen, sowie für den höheren Unterricht / Von Johannes Baumgarten. Mit einer Karte von Deutsch-Afrika
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Bilder marokkanischen Aberglaubens.

irdischen Wesen stehen. Er hatte mehr als einmal dieses Vorurteil benutzt, um sich aus der Lebensgefahr zu retten, in der er sich unter den wilden Stämmen jener Gegenden befand. Davidson war kahl und trug ein Toupet. Als er einst von einem Hausen Araber um­ringt wurde, die seine Habseligkeiten zu plündern begannen und ihm mit dem Tode drohten, rief er ihnen plötzlich zu, die Macht der Christen zu fürchten, und warf seine Perücke mit den Worten zur Erde:Da ist mein Haar; eure Bärte werden folgen." Die Araber flohen, indem sie ihre Beute im Stiche ließen. Bei einer andern Gelegenheit, als er astronomische Beobachtungen machte, wurde er von einem Haufen zudringlicher Araber so eingeengt, daß er seine Arbeit nicht fortsetzen konnte.Ihr Thoren! Sucht ihr den Unter­gang?" sagte er endlich, indem er sich zu ihnen wandte.Erkennt die Macht des Nazarenen!" Hierauf winkte er einen der Scheichs zu sich und ließ ihn durch den Sextanten blicken, während er den Index langsam bewegte und den Barbaren merken ließ, wie die Sonne ihre Bahn verlasse und sich der Erde nähere. Blaß vor Schrecken warf der Araber nach einem einzigen Blicke sich ihm zu Füßen und bat um Gnade, indem er ihn anflehte, ihre Herden und Ernten zu verschonen und sie nicht, wie es seiner Überzeugung nach in der Macht des Nazarenen stand, mit Seuche und Mißwachs heim­zusuchen.

2. Die bezauberte Turmuhr.

Auf dem Minaret der Dschamaa-Kebir, der Hauptmoschee in Tanger, befindet sich eine große Uhr, deren Werke einst in Unord­nung geraten waren und der Reparatur bedurften. Keiner von den Gläubigen wagte jedoch, sich dieser Aufgabe zu unterziehen, da sie nicht einmal entdecken konnten, wo der Fehler eigentlich stecke, ob­gleich manche von ihnen mit großer Würde und Feierlichkeit ihr Ur­teil darüber aussprachen. Unter anderem behauptete einer, daß höchst wahrscheinlich ein Dschin oder böser Geist seinen Wohnsitz in der Uhr aufgeschlagen habe, und man versuchte demzufolge verschiedene Beschwörungsmittel, die, wie jeder wahre Gläubige voraussetzen mußte, vollkommen dazu hinreichten, eine ganze Legion von Teufeln auszutreiben aber vergebens! die Uhr war und blieb stumm.

Es blieb nichts übrig, als sich an einen christlichen Uhrmacher, einen verfluchten Nazarener", zu wenden, der zum Glück in der