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Deutsch-Ostafrika.
Neugier, welcher der Fremde sich gar nicht erwehren kann; er muß sie eben gewähren lassen. Sie kommen meilenweit her, um ihn anzuglotzen, heben den Zeltvorhang auf, um hineinzugucken, und benehmen sich unverschämt. Lungernde Frauen, Knaben und Mädchen treiben sich unterwegs stundenweit neben der Karawane umher.
In geistiger Beziehung ist dieser Schwarze ganz unfruchtbar, roh, für alles, was Fortschritt, Entwickelung und Veränderung heißt, vollkommen unfähig. Gleich anderen Barbaren hat er wohl Gabe zum Beobachten, aber er kann aus seinen Wahrnehmungen etwas Ordentliches nicht ableiten. Seine Intelligenz ist in einen engen Kreis eingeschlossen, und über denselben kann dieser Schwarze gar nicht hinaus. Er bleibt stehen, wie manche Asiaten, aber steht weit tiefer als diese allesamt. Er liebt die Musik, aber hat es, aus sich selber heraus, doch nicht weiter als bis zum Pfeifen gebracht. Metrische Gesänge kennt er nicht, so gern er auch singt; er im- provisirt einige Worte ohne Sinn oder Rhytmus und wiederholt sie in einem langgezogenen Recitativ immer und immer wieder bis zum Ekel, und schließt zuletzt mit einem durch die Nase hervorgestoßenen Ah, ha!
Das hier Bemerkte paßt im allgemeinen auf sämtliche Stämme, doch sind auch Unterschiede und Ausnahmen vorhanden.
Dklitsch-MtlllMd.
Schilderung von Land und Leuten.
Aus dem Tagebuche des Regieruugs-Baumeisters Höruecke.*)
Das ganze Land, soweit ich es kennen gelernt habe, ist mit einer außerordentlich reichen Vegetation bedeckt. An der Küste, soweit der Einfluß der Flut vorhanden ist, ziehen sich Mangrove-Waldungen entlang, welche besonders an den Flüssen weit in das Innere hineinreichen. Sie sind dicht verwachsen und vollständig unpassierbar; sie gewähren aber ein schönes Bild dadurch, daß einzelne andere Baumarten zwischen sie eingesprengt sind, deren Gipfel über die niedrigen Mangroven hinausragen. Im sumpfigen Terrain war viel Schilf
') Deutsche Kol.-Zeit. 1886. S. 484.