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Deutsch-Afrika und seine Nachbarn im schwarzen Erdteil : eine Rundreise in abgerundeten Naturschilderungen, Sittenscenen und ethnographischen Charakterbildern ; Nach den neuesten und besten Quellen, für Freunde der geographischen Wissenschaften und den Kolonialbestrebungen, sowie für den höheren Unterricht / Von Johannes Baumgarten. Mit einer Karte von Deutsch-Afrika
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Deutsch-Ostafrika.

den Kopf, nachdem er Brust und Lende den Mtongi (Haupteigen­tümer der Waren) gegeben; das Übrige wird unter die verschiedenen Khambi, Tischgenossenschaften, verteilt. Für einen Europäer ist es auch nicht rätlich, mit einer solchen Karawane der Araber zu reisen, weil sie viel Zeit vertrödelt, ohne eigentlichen Plan bald rasch, bald langsam vorwärts geht, und auch sonst mancherlei Übel­stände hat.

Anders verhält es sich mit den Handelskarawanen, welche von Suaheli, Wamrima und den Sklavenfaktoren (Fundi, etwa ähnlich wie die Pombeiros im portugiesischen Afrika) geleitet werden. Diese wissen mit den Pagazi umzugehen, und verstehen deren Sprache und Sitten. Solche Safari hungern nicht wie jene der Wanyamwezi, und prassen auch nicht wie die Araber. Unterwegs haben sie weniger Beschwerden, an den Halteplätzen richten sie sich gemächlich ein und leiden wenig durch Krankheiten. Diese Halbafrikaner hegen große Abneigung gegen die Araber und alle anderen Fremden, legen ihnen möglichst Hindernisse in den Weg, verbreiten unter den Eingeborenen allerlei nachteilige Gerüchte, verlocken die Träger und Sklaven zum Ausreißen und geben sich die größte, obwohl vergebliche Mühe, ihr altes gewinnreiches Monopol des Handels mit dem Innern zu be­haupten.

Burton.

10. Leben und Treiben in einem ostafrikanischen Dorfe.*)

Der Ostafrikaner führt ein weit behaglicheres Leben als der indische, vielgeplagte Bauer, der Reiot, und kann in dieser Beziehung den Vergleich mit der großen Masse der Landleute mancher europäi­scher Länder aushalten. Das gilt freilich nur von solchen Bezirken, welche nicht allzusehr durch den Sklavenhandel zerrüttet worden sind.

Zum Nachtlager dient eine Kuhhaut und man steht früh auf. Am Tage ist die Hütte kühl und ganz angenehm; beim Schlafengehen wird jedoch der Eingang zugemacht und dadurch die Luft drückend und unangenehm. In der Stunde vor Sonnenaufgang verspürt man Kälte, zündet ein Feuer an und greift sogleich zu dem unzer-

*) Forschungsreisen in Arabien und Ostafrika. II. Bd. (Burton, Speke, Rebmann, Krapf.) Bearbeitet von Karl Andres. Leipzig, 1861, Costenoble.