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Deutsch-Afrika und seine Nachbarn im schwarzen Erdteil : eine Rundreise in abgerundeten Naturschilderungen, Sittenscenen und ethnographischen Charakterbildern ; Nach den neuesten und besten Quellen, für Freunde der geographischen Wissenschaften und den Kolonialbestrebungen, sowie für den höheren Unterricht / Von Johannes Baumgarten. Mit einer Karte von Deutsch-Afrika
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Deutsch-Ostafrika.

8. Unter den wilden Massai in Deutsch-Ostafrika.

Tägliche Lebensweise auf dem Marsche. Unter den wilden Massai. Kriegs­tänze. Beständige Lebensgefahren. Thomson als weißer Zauberer.

Es dürfte angezeigt sein, dem Leser eine Vorstellung von unserer täglichen Lebensweise zu geben. Es war anerkannte und unverletz­liche Regel, auf dem Marsche zu sein, bevor die Sonne sich über den Horizont erhob. Beim frühesten Zeichen der Dämmerung, häu­figer noch beim ersten Krähen der verschiedenen von der Karawane mitgeführten Hähne, taumelten wir aus dem Bett, tauchten das Gesicht in kaltes Wasser, und wenn die Gegenstände gerade sichtbar wurden, saßen wir draußen beim Frühstück, während die Askari das Zelt abschlugen, das Feldbett aufrollten und alles marschfertig machten. Für das Frühstück wurde nur wenig Zeit bestimmt, und wenn das Karmoisinrot des Morgenhimmels in goldigen Glanz überging, wurde das Zeichen zum Aufbruch gegeben.

Ich selbst gehe voran mit dem Vortrab, das Lager liegt hinter uns, und in der frischen, kräftigen Morgenluft eilen wir lustig vor­wärts. Um diese Zeit haben die Leute einen kapitalen Schritt und ,jeder sucht in freundschaftlichem Wetteifer an die Spitze zu gelangen. Wie die Sonne jedoch höher steigt, stimmt sich ihr Enthusiasmus herunter. Die Schwachen und Faulen beginnen hinten zu bleiben und bald sieht man sie hier und dort ihre Lasten abwerfen, sei es um auszuruhen, sei es unter dem Vorwande etwas in Ordnung zu bringen. Marodieren wird jedoch nicht gestattet und die Rast darf immer nur kurz sein. Jedermann weiß, daß einschlafen soviel heißt als rascher Tod durch den Speer eines Massai. Martin bewacht den Nachtrab unserer Abteilung und sieht dort nach dem Rechten, während ich vorn meine Messungen und sonstige Beobachtungen anstelle und wenn möglich übermütige Rhinoceros und Büffel schieße und so gleichzeitig Gefahren beseitige und den Topf fülle. An die Wildnis werden wir übrigens gründlich erinnert, wenn wir die hungrigen Leute wie gefräßige Hyänen über das Wild Herstürzen sehen, um mit Messerhieben und unter zänkischem Geschwätz sich die fetteren oder zarteren Teile zu sichern. Verwundungen sind nicht ungewöhnliche Vorkommnisse, und häufig muß unter dem fechtenden Pack durch die drohend aufgehobene Rute die Ordnung wiederher­gestellt werden, zumal jeder weiß, daß Drohungen niemals umsonst ausgestoßen werden.