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Deutsch-Afrika und seine Nachbarn im schwarzen Erdteil : eine Rundreise in abgerundeten Naturschilderungen, Sittenscenen und ethnographischen Charakterbildern ; Nach den neuesten und besten Quellen, für Freunde der geographischen Wissenschaften und den Kolonialbestrebungen, sowie für den höheren Unterricht / Von Johannes Baumgarten. Mit einer Karte von Deutsch-Afrika
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Deutsch-Ostafrika.

durchaus nicht schwer zu werden scheint, so thun sie doch nicht den geringsten Dienst, ohne sich denselben unverschämt bezahlen zu lassen. Unter einander scheinen sie nicht höflich umzugehen, wiewohl sie außer dem Hause ein gewisses Ceremoniel zu beobachten pflegen. Sie fassen sich bei der Begegnung bei den Armen und scheuern sich an einander wie Schweine an einem Zaunpfahl, wobei ein jeder dem andern zuruft:Wie befindest Du dich, wie befindest Du dich!" Im andern Falle beugen die einander begegnenden Frauen die Kniee bis zur Erde und wiederholen solche stumme Verbeugungen. Die Kinder sind wahrhaft abscheulich, sie sind häßliche, fratzenhafte Nachahmungen ihrer Eltern und verschmähen jede Civilisation, sind untereinander in fortwährendem Zank und Hader, sie beißen sich mit den Zähnen und kratzen sich mit ihren krummen Klauen wie boshafte Katzen; auch zwischen Eltern und Kindern sah Burton keine andere Art von Verkehr, als daß sie einander kniffen, bis es blaue Flecke gab, oder sich bis aufs Blut kratzten.

Der Trunk oder der Genuß des berauschenden Hanfes ist ein auf die erschreckendste Weise verbreitetes Laster. Nirgends sieht man so viele schwankende und taumelnde Gestalten mit schwerer Zunge lallend, wie hier; diese Creaturen nähern sich mehr den Tieren als den Menschen.

Nach Zimmermann und Burton.

7. Zusammentreffen Stanleys mit Livingstone am Tanganyika-See.

Nicht weniger als 236 Tage waren verstrichen, seitdem Stanley von Bagamoyo an der Ostküste Afrikas in das Innere des Landes aufgebrochen war. DieNew-Aork-Herald-Expedition", wie sich die von dem kühnen Reisenden geführte Kolonne von eingeborenen Trä­gern nannte, hatte sich unter den manigfachsten Abenteuern durch die zwischen der Küste und dem Tanganyika-See liegenden Gebiete hindurchgeschlagen, und am 10. November 1871 glücklich einen Hügel erreicht, von dessen Spitze aus sie durch das dunkle Laub der Bäume die Wasserfläche des von Speke und Burton 13 Jahre früher ent­deckten Sees schimmern sahen. Es war ein entzückender Anblick. Gleich geschmolzenem Silber breitete sich der Tanganyika zu ihren Füßen aus; duftige, blaue Berge umsäumten den Horizont, Palmen- wälder spiegelten sich in den Fluten, über dem herrlichen Landschafts-