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Deutsch-Ostafrika.
von dem Kaiser Mtesa erzählt hatte. Aber auch Mandara ist nur ein Tyrann, der sich zur Oberherrschaft über die übrigen Häuptlinge zu erheben trachtet und sich die Anwesenheit der weißen Männer wohl gefallen ließ, um durch sie die Vorteile europäischer Kultur, besonders die Künste des Bauens, der Pulver- und Massenfabrikation zu erlangen, und der Bischof hatte, wie vordem schon der Reisende Thomson, Mühe, dem Geschenk einer Hütte zum bleibenden Wohnsitz zu entgehen.
Der Menschenschlag am Kilima-Ndjaro machte den Eindruck der Kraft und Intelligenz, und die Missionare sahen sich verlangend nach passenden Plätzen für ihre Arbeit um, deren Besetzung auch bei der Stimmung des Häuptlings Mandara keine Schwierigkeiten gemacht haben würde. Außerdem lockte nicht nur die wunderbar schöne Natur des Alpenlandes, die selbst den Jubelruf der sonst gegen Naturschönheiten stumpfen Afrikaner hervorrief, sondern vor allem die Erwartung, daß in so bedeutenden Höhen mit ihren regelmäßig jeden Monat wiederkehrenden Niederschlügen die Gesundheit des Missionars geschützt sein werde. Aber bald sahen sie ihre Täuschung ein. Denn noch während ihres Aufenthaltes daselbst trat die Regenzeit ein und belehrte sie durch kolossale Güsse, daß ein Hochland in Afrika denn doch immer noch sehr verschieden von einem solchen in Europa sei. Wieder stellten sich Fieberanfälle ein, und ohne für den eigentlichen Missionszweck etwas Greifbares erreicht zu haben, traten sie die Rückreise an. — Unterdes berichtet eine neueste Nachricht, daß sich auch im Dschagga-Lande selbst der Missionar Fitch niedergelassen hat (1886) und daß Mandara sich gegen ihn freundlich zeigt.
5. Moschi am Kilima-Ndjaro.
Ein ostafrikanisches Landschaftsbild.
Nach Thomson und Kurt Weiß.*)
Moschi, das Residenzdorf des Häuptlings Mandara, des Kriegsführers der Djagga (Dschagga), an der Schwelle des Massai-Landes, liegt in wunderbar schöner Lage auf einem 1066 m hohen schmalen Rücken, welcher nach beiden Seiten von einem steilen, tiefen Thal
*) Thomson. Durch Massai-Land. Leipzig 1885. — Kurt Weiß. Meine Reise nach dem Kilima-Ndjarogebiet im Auftrage der Deutsch-ostafrikanischen Gesellschaft. Berlin 1886.