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Deutsch-Ostafrika.
3. Ein Urwald im Dschagga-Lande.
Charakteristik der.Bewohner des Landes.*)
Die Landschaft Taweta, 750 IN über dem Meere, am Fuße des Kilima-Ndjaro, nennt der Schotte Josef Thomson „das kleine afrikanische Arkadien, ein Waldparadies, ein Kaleidoskop von unendlicher Schönheit". Zwar ist der größte Teil des Landes mit der Waldfestung Taweta selbst bei der Londoner Grenzregulierung (1886) den Engländern zugeteilt worden, doch haben wir das ebenso schöne westliche Dschagga-Land behalten, von dem Thomson sagt: „Ich habe noch niemals eine entzückendere, parkartigere Landschaft gesehen."
Von der Küste (Mombas) bis Taweta ist das Land fieberfrei; „kein europäischer Reisender", sagt Thomson, „brauche sich hier vor einer Reise in das Binnenland zu fürchten, wenn er nur Vorsicht im Trinken beobachtet. Die Luft wirkt auf der ganzen Tour stets stärkend und erheiternd. Die kühlen Nächte sichern erquickenden Schlaf." — In folgender Weise schildert er einen Urwald dieses Landes:
„Wir sind in Verwunderung verloren über die erstaunliche Masse des Psianzenwuchses, der uns überall in die Augen fällt. Die Natur spielt hier mit der Erzeugung großartiger Bäume, welche häufig 25—30 m hoch astlos emporwachsen, bevor sie ein prächtiges schattiges Laubdach entfalten. Dann verschlingen sich die Zweige mit denen der umstehenden Bäume, bis nur noch schwaches, buntfarbiges Licht durchdrängt, welches in unzähligen Lichtern umhertanzt und zittert.
Obgleich die Bäume bis zu jener Höhe ohne Äste sind, so hat es doch nicht den Anschein, als ob wir in einem Walde von Stämmen wanderten, wie zwischen den Masten eines gefüllten Hafens. Ganz im Gegenteil! Von jedem günstigen Punkte schwingen sich biegsam, mit Laub bedeckte Schlingpflanzen von Baum zu Baum oder hängen in zierlichen dunkelgrünen Geflechten am kräftigen Stamme herunter. Schöne Palmen — die Raphia und die Hypaene oder wilde Dattelpalme —, blühende Gesträucher, eine Unzahl Farren und dann wieder blühende Pflanzen, erfüllen die Zwischenräume,
*) Nach Thomson und Kurt Weiß. Wir geben hier (s. folgendes Stück) zwei Schilderungen der Landschaften Taweta und Dschagga, da nach den Londoner Abgrenzungen (Dez. 1886) die Demarkationslinie zwischen der deutschen und englischen Interessensphäre diese Landschaften in der Mitte durchschneidet, ein großer Teil also deutsches Land ist.