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Deutsch-Afrika und seine Nachbarn im schwarzen Erdteil : eine Rundreise in abgerundeten Naturschilderungen, Sittenscenen und ethnographischen Charakterbildern ; Nach den neuesten und besten Quellen, für Freunde der geographischen Wissenschaften und den Kolonialbestrebungen, sowie für den höheren Unterricht / Von Johannes Baumgarten. Mit einer Karte von Deutsch-Afrika
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Deutsch-Ostafrika.

2. Die Hochebene von Ugogo und deren Bewohner.*)

Westwärts von Usagara liegt, vor den Winden durch die Berge geschützt, die Hochebene von Ugogo, ein nicht gerade fruchtbares Land, das nur nach der Regenzeit ein angenehmes Ansehen besitzt und während der trockenen Jahreszeit braun und wüstenartig sich vor dem Auge ausbreitet. In physischer und moralischer Hinsicht sind die Ugogo allen bisher genannten Stämmen im Innern weit überlegen; ihr ganzes Aussehen hat etwas löwenhaftes, die Phy­siognomie ist intelligent. Die Augen sind groß und weit geöffnet, und obwohl die Nase platt ist, die Lippen dick sind, so ist doch das Gesicht nicht von der Mißgestalt wie bei den eigentlichen Negern. Der Ugogo ist heftig und leidenschaftlich; er ist stolz auf seinen Häuptling, stolz auf sein nicht fruchtbares Land, stolz auf sich selbst, auf seine Waffen und Thaten, überhaupt auf alles das, was ihm gehört. Obwohl er eitel, prahlerisch, egoistisch und herrschsüchtig ist, ist er doch der Liebe und der Zuneigung fähig und kann dann selbst trotz seiner Gier nach Gewinn gefällig sein. Die Waffen der Ugogo sind mit großer Geschicklichkeit verfertigt; sie bestehen aus einem Bogen, scharfen, mit Widerhaken versehenen Pfeilen, einigen Assegaien (Wurfspießen), einer Lanze, deren 60 em lange Spitze einer Säbel­klinge gleicht, einer Streitaxt und einem Streitkolben. Da der Ugogo schon von Kindheit an mit der Führung der Waffen vertraut ist, gilt er, 15 Jahre alt, schon als ein Krieger. Soll es zum Kampfe kommen, so eilt ein Bote des Häuptlings von Dorf zu Dorf, indem er aus seinem Büffelhorn den Kriegsruf erschallen läßt. Bei diesem Rufe wirft der Ugogo seine Feldjacke über die Schultern, eilt in feine Hütte und kehrt nach kurzer Zeit als Krieger zurück. Straußen-, Adler- und Geierfedern schmücken dann sein Haupt, ein langer, roter Mantel wallt von den Schultern; in den Händen trägt er den mit schwarzen oder weißen Zeichnungen bemalten Schild von Elefanten-, Rhinozeros- oder Büffelhaut, Lanze und Wurfspieße. Sein Körper ist bemalt, Glöckchen hängen an den Knieen und Fuß­knöcheln. Um seine Ankunft zu melden, stößt er die Elfenbeinringe an seinen Handgelenken an einander. Ganz ohne Waffen ist der Ugogo überhaupt nie.

*) Nach Dr. Hugo Friedmann. David Livingstone und das Gebiet zwischen der Zanzibarküste und dem Tanganyikasee. Aus allen Weltt. V. Jahrg. 1874.