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Deutsch-Afrika und seine Nachbarn im schwarzen Erdteil : eine Rundreise in abgerundeten Naturschilderungen, Sittenscenen und ethnographischen Charakterbildern ; Nach den neuesten und besten Quellen, für Freunde der geographischen Wissenschaften und den Kolonialbestrebungen, sowie für den höheren Unterricht / Von Johannes Baumgarten. Mit einer Karte von Deutsch-Afrika
Entstehung
Seite
XI
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Morworl

Bis vor einigen Jahren haben die zahlreichen deutschen For­schungsreisenden und Missionare, welche auf dem afrikanischen Kon­tinente und in den anderen überseeischen Gebieten unter unsäglichen Mühen und Gefahren für Wissenschaft und Kultur arbeiteten, fast ausschließlich die Ausdehnung der britischen Weltmacht gefördert, die ihren Kolonialbesitz jedes Jahr erweiterte und einen ungeheuren, immer steigenden Gewinn daraus zog. Während England riesige Kapitalien in seinen Kolonieen anlegte und durchschnittlich jährlich 750 Millionen Mark Zinsen daraus erhielt, während es auf allen Punkten der Erde seine Handelsoperationen vervielfältigte, aus seinen zahlreichen Kolonieen ganz Europa mit Rohstoffen versorgte, die ganze Welt mit den Produkten seiner Industrie überschwemmte und mit einer Dampferflotte, die noch heute zehnmal zahlreicher ist, als die deutsche (1886: 5792 englische Dampfer mit 6 595 871 Tonnen 579 deutsche mit 654 814 Tonnen), den ganzen Seehandel an sich zu reißen drohte, begnügten sich die Deutschen mit dem akademischen Vergnügen der Erweiterung der geographischen Kenntnisse und mit einem kümmerlichen Anteil am Welthandel, der zu der Größe und Bildungsstufe der Nation in keinem Verhältnis stand und obendrein von dem herablassend bewilligten, nicht immer sichern Schutz der Engländer und Franzosen abhing. Es dauerte lange, bis unsere Gelehrten, unsere Politiker und Nationalökonomen endlich aus den Lehren des rastlosen, entsetzlichen, internationalen Konkurrenzkampfes in Handel und Industrie die sozusagen mathematische Überzeugung schöpften, daß gegenwärtig eine bloße Kontinentalmacht ohne eigene Kolonieen auf die Dauer nicht existenzfähig ist, daß eine Nation, die sich für ihre Industrie die Rohstoffe, für die übermäßig wachsende