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Die territoriale Entwicklung der europäischen Kolonien : mit einem kolonialgeschichtlichen Atlas von 12 Karten und 40 Kärtchen im Text / von Alexander Supan
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Die Hauptergebnisse der Kolonisation.

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Regierung, die sieh der Unterstützung Chinas beraubt sah, näherte sich nun Rußland. Es half wenig, daß sich Rußland und Japan in dem Vertrag vom 25. April 1898 verpflichteten, sich jeder Einmischung in die inneren Angelegenheiten Koreas zu ent­halten und so diesem Lande die Rolle eines Pufferstaates zuerkannten, denn in dem Maße, in dem Rußland seine ostasiatischen Pläne förderte, stieg auch sein Ansehen in Korea. Und Rußland schritt auf dem einmal betretenen Wege mit eiserner Kon­sequenz weiter. In den Häfen der Kuantung-Halbinsel besaß es endlich, was es so lange gewünscht hatte: eisfreie Flottenstationen, und noch dazu in einer ausgezeichneten Lage, denn es beherrschte damit den Golf von Tschili und mittelbar die chinesische Hauptstadt. Nur dadurch, daß sich die Engländer am Südeingang in den Golf, in Weihaiwei, niederließen, wurde seine Stellung etwas beeinträchtigt. Aber solange Kuantung vom russischen Staatskörper getrennt war, mm erreichbar zur See und auf einer Eisenbahn, die durch fremdes Gebiet führte, blieb es halber Besitz. Es ist daher erklärlich, daß Rußland mit aller Macht danach strebte, auch in der Mandschurei sich festzusetzen. Man brauchte sie ja nicht förmlich zu annektieren, man brauchte es nur so zu machen wie die Engländer in Ägypten. Die Gelegenheit dazu bot sich während des Boxeraufstandes in China im Jahre 1900, eines jener periodisch wieder­kehrenden Ausbrüche chinesischen Fremdenhasses, der solche Dimensionen annahm, daß sich die europäischen Mächte zu militärischem Einschreiten genötigt sahen. Die Mandschurei wurde damals tatsächlich russisch. Die Vollendung der Bahn im Jahre 1903 krönte das Werk. In dieser politischen Rechnung steckte aber ein verhängnis­voller Fehler: die Unterschätzung Japans. Er hat sich blutig gerächt.

Die Hauptergebnisse der Kolonisation.

1. Unsere letzte Karte (Tafel XII) führt uns noch einmal die ganze Kolonial­geschichte vor Augen, nur von einem anderen Gesichtspunkt aus betrachtet. Wh sehen jetzt von dem Wettstreit der europäischen Staaten gänzlich ab und fassen nur das Alter der Kolonien ins Auge. Wir gelangen dann zu einer etwas anderen Einteilung der Kolonialgeschichte, die der obenerwähnten Karte zugrunde liegt.

1. Aus der Periode vor der Entdeckung Amerikas stammen nur folgende über­seeische Kolonien: Island, die Azoren, Madeira, die Canarischen, Kapverdischen und Guinea-Inseln, das Überseeische Algarve, die afrikanischen Forts Arguin und Elmina, und Kongo. Algarve und Kongo sind, weil sie später wieder verloren gingen, nicht berücksichtigt worden.

2. Die Periode 14921600 wird durch die Kolonisation der Großen Antillen, der tropischen Hochländer Amerikas und durch die ersten Eingriffe der Europäer in die ostindische Welt charakterisiert.

3. In der Periode 16001750 treten Nordamerika und die atlantische Seite Südamerikas als wichtigste Kolonisationsgebiete hinzu. In der Alten Welt sind die

A. Supan, Entwicklung der europ. Kolonien. 20