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A. Supan, Die territoriale Entwicklung der europäischen Kolonien.
betrachtete sie als sein Eigentum und ließ sie seit 1820 verwalten. 1833 wurden sie von den Engländern in Besitz genommen und seitdem trotz des Widerspruchs der Argentinier festgehalten.
Die europäisch-amerikanische Periode, seit 1876.
Begleitworte zur Karte für 1900 auf Tafel XI.
Überblick.
1. Ich habe die Ergebnisse dieser letzten Periode in zwei Tabellen (S. 256f.) zusammengefaßt, deren Zahlen eine so beredte Sprache führen, daß wenig mehr hinzuzufügen ist. Die größten Fortschritte hat die Kolonisation Afrikas gemacht, dann folgt in den absoluten Zahlen Asien, relativ hat aber Polynesien den Vorrang. Von Hundert der Fläche gehörten nämlich den europäischen Kolonialmächten, wozu wir auch die Vereinigten Staaten rechnen,
in Afrika 1876: 10,8, 1900: 90,4, also —J— 79,6
,, Polynesien ,, 56,8, ,, 98.9, ,, —j— 42,i
„ Asien „ 51,5, „ 56,6, „ -j- 5,i
„ Australien „ 100 „ 100 „ —
,, Amerika 1 ) „ 27,5, „ 27,2, „ — 0,3
Das Charakteristische dieser Periode ist also die Aufteilung Afrikas und Polynesiens, derjenigen Erdteile, denen auch schon in der'vorhergehenden Periode ein erhöhtes Interesse zugewendet worden war. Die Kolonisation wäre hier weiter fortgeschritten, auch wenn kein neues Moment hinzugetreten wäre. Es ist ohne weiteres verständlich, daß Frankreich in der Ausdehnung seines überseeischen Besitzes einen Ersatz für die Schmälerung seiner Machtstellung in Europa suchte; und England wäre, obwohl die Abneigung gegen neue koloniale Gründungen im Mutterland noch nicht völlig überwunden war, durch seine expansionslustigen Untertanen in Südafrika und Australien auf seiner kolonisatorischen Bahn immer weiter vorwärts gedrängt worden. Die Aufteilung Afrikas und Polynesiens ist nicht an und für sich ein neuer Zug, sondern das Tempo, in dem sie erfolgte. Mit sich überstürzender Hast folgen die Besetzungen weiter Erdräume aufeinander: ein Schauspiel, wie es die Welt seit der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts nicht wieder erlebt hat. Es unterliegt keinem Zweifel, daß das Eingreifen des Deutschen Reiches in die Kolonialbewegung dazu die Veranlassung bot.
2 . Dieses Eingreifen war für alle Welt eine Überraschung. Man hatte vergessen, daß die Deutschen von jeher ein Kolonialvolk waren. Was war die Völkerwanderung anderes als eine Kolonialbewegung im großen Stile? Die Kolonisation des slawischen Ostens ist genau derselbe Vorgang wie die Sibiriens durch die Russen oder die des
*) Alaska ist, hier als Kolonie der Vereinigten Staaten aufgefaßt.