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Die territoriale Entwicklung der europäischen Kolonien : mit einem kolonialgeschichtlichen Atlas von 12 Karten und 40 Kärtchen im Text / von Alexander Supan
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A. Supan, Die territoriale Entwicklung der europäischen Kolonien.

Die Teilung der Südsee.

1. Wir haben clie Südsee als Kampfplatz des deutschen und britischen Handels kennen gelernt; wir haben gesehen, daß im freien Wettbewerb der Deutsche über­legen war und daß daher der Engländer zum Hilfsmittel der Annexion griff. Die Verdrängung des deutschen Kaufmanns konnte nur durch staatliche Hilfe hintan­gehalten werden; als der Reichstag die Form der finanziellen Unterstützung ablehnte, blieb nur noch die Annexion übrig. So mußte auch in der Südsee an die Stelle des freien Wettbewerbs die Teilung treten.

Die deutsche Handelswelt wählte für ihre Unternehmungen das östliche Neu­guinea und jenen Inselhalbbogen, der jetzt den Namen Bismarckarchipel führt. Schon 1878 hatte das Deutsche Reich auf der kleinen Herzog von York-Insel (jetzt Neu- lauenburg) zwei Kohlenstationen erworben, und deutsche Händler hatten hier ein fruchtbares Feld gefunden. Als die Kolonialpläne 1882 voreilig durch einen Zeitungs­artikel in die Öffentlichkeit drangen, bemächtigte sich eine große Erregung der australischen Kolonien, besonders Queenslands. Der Gedanke einer Neuguineakolonie war hier nicht neu, waren doch gerade dadurch die Holländer veranlaßt worden, sich ihrer Rechte auf die Insel kräftiger anzunehmen (vgl. S. 234). Aber zur Aus­führung war jener Gedanke nicht gekommen, nur die Inseln der Torresstraße hatte Queensland durch Gesetz vom 24. Juni 1879 in Besitz genommen 1 ). Nun ,(1883) schritt es auch zur Annexion des ganzen nichtholländischen Teiles von Neuguinea, stieß jedoch dabei auf den Widerspruch der Londoner Regierung. Die Australier gingen sogar so weit, auf ihrem Kolonialkonvent in Sydney eine Monroedoktrin für die ganze Südsee aufzustellen. Deutschland ließ sich durch diesen Lärm nicht be­irren. Am 26. Mai 1884 wurde die Neugineakompagnie gegründet, die, um nicht die australische Konkurrenz von neuem wachzurufen, im tiefsten Geheimnis an die Ausführung ihres Kolonisationsplanes ging. Leider wurde dieses Vorhaben durch die Indiskretion eines Reichstagsabgeordneten vereitelt, und nun sah sich auch die englische Regierung veranlaßt, die Wünsche der Australier in bezug auf Neu­guinea zu erfüllen, versprach aber Deutschland, nur von der Südküste Besitz zu er­greifen. Das geschah in der Zeit vom 23. Oktober bis 5. November 1884, und gleichzeitig, anfangs November, wurde die deutsche Flagge im Bismarckarchipel, an der Astrolabebai und am Huongolf gehißt. Das steigerte die Aufregung in Australien bis zur Siedehitze. Der Bismarckarchipel hatte die meisten Arbeiter für die Plan­tagen Queenslands geliefert; die Anwerbung hielt sich aber nicht immer in den ge­setzlichen Schranken, der »Labour trade« artete nur zu häufig in förmliche Sklaven­jagden aus, die die Eingeborenen zu Feindseligkeiten gegen alle Weißen ohne Unter­schied der Nationalität aufreizten, so daß dadurch der deutsche Handel ernstlich ge­schädigt wurde. Nun befürchtete man in Australien den Verlust dieses Arbeiter­marktes ; man griff die Regierung des Mutterlandes auf das heftigste an und ver- stieg sich sogar zur Drohung des Abfalls. Um die Gemüter zu beschwichtigen, ließ England im Januar 1885 nicht nur die Inseln an der Nordküste von Neuguinea,

') Bevölkerung der Erde VI, S. 45.